13.04.2011, 12:28 Uhr | Volker Bonacker
Wenn Ubisoft zur Premiere eines neuen Spiels in die Römerpassage in Mainz einlädt, dann weiß der Spieleredakteur, was ihn erwartet. Denn die dort ansässigen Entwickler Related Designs waren die vergangenen Jahre über für die Anno-Serie verantwortlich. Und so rechnet man der jüngsten Einladung folgend natürlich mit einem weiteren Ableger der Aufbauspiel-Reihe und witzelt im Vorfeld der Präsentation, um welche Jahreszahl es sich denn dieses Mal handeln könnte. Wenig später ist es soweit: Ein Bild der bekannten Planke mit dem "Anno"-Logo darauf erscheint, darunter die Jahreszahl 1305. Alles beim Alten scheinbar. Mitnichten. Denn kurz darauf verschwindet das Holzstück und gibt den Blick auf ein futuristisches Szenario frei, angesiedelt im Jahr 2070. Anno bleibt Anno? Das ist Vergangenheit - willkommen in der Zukunft bei Anno 2070.
Die Zukunft, die hier gezeigt wird, sieht düster aus. Schwerindustrie überall, rauchende Schlote, dazu düstere Sounds. Das soll die Zukunftsvision der Anno-Macher sein? Teilweise. Denn es kann auch ganz anders kommen: Szenenwechsel, eine grüne Landschaft erscheint auf dem Bildschirm. Die Welt hier wirkt freundlich, heller. Hier wird ökologisch gewirtschaftet, auf regenerative Energien gesetzt und damit ein Szenario geschaffen, das nicht auf Ausbeutung setzt. Und damit ist das neue Spielprinzip im Kern bereits erklärt: Der Spieler hat zu Beginn der Partie die Wahl zwischen zwei Fraktionen und bestimmt damit den Lauf der Dinge tiefgreifender als je zuvor. Utopie oder Dystopie? Diese Möglichkeiten haben die Entwickler aufgegriffen und auf die Anno-Serie übertragen.
Wie es zum Bruch mit dem traditionellen Setting kam? Als simplen Grund gibt man an, dass eine weitere Evolution der Serie in altem Gewand nicht mehr möglich erschien. Statt eines fiktiven Vergangenheits-Szenarios deshalb die Entscheidung für ein Spiel mit Zukunftsvisionen. Da sich viel um Energiegewinnung dreht, geht Related Designs auf eines der großen Gegenwartsthemen ein, das gerade hinsichtlich der Naturkatastrophe in Japan aktueller nicht sein könnte. Trotzdem betonen die Entwickler, kein Serious-Game machen zu wollen. Fingerzeigen werde es nicht geben, die Unterhaltung steht im Vordergrund. Zudem hat die Wahl einer jeden Fraktion Vor- wie auch Nachteile.
Womit Spieler beider Fraktionen ebenfalls leben müssen, sind Konsequenzen. Wer auf Raubbau setzt, riskiert Naturkatastrophen, die auch im neuen Anno wieder dabei sind. Eine Ölpest droht etwa dem, der zu gierig nach dem schwarzen Gold sucht. Wie tiefgreifend die Folgen für den Spieler sein sollen, hat man noch nicht verraten. Bei der Gestaltung der Welt, die übrigens weiterhin auf einer Insel angesiedelt ist, lassen die Macher dem Spieler allerdings viel Raum und jede Menge Freiheiten. Entsprechend den Wegen, die man einschlägt, verändert sich die Umwelt und passt sich der eigenen Spielweise an. Aber im Gegensatz zur Realität ist in "Anno 2070" eine Umkehr jederzeit ohne Probleme möglich. Wer vom Zerstören der Umwelt genug hat, kann dank dem dynamischen Spielsystem auch auf die "grüne" Seite wechseln und Stück für Stück wieder herstellen, was zuvor an Landschaft zerstört wurde.
Optisch gibt sich "Anno 2070" logischerweise runderneuert. Die Leistung der Engine wurde dafür abermals gesteigert, was noch mehr Animationen, noch mehr gleichzeitig dargestellte Objekte und natürlich noch monumentalere Bauten mit zahllosen Details möglich macht. Zoomt man etwa an das zentral gelegene Hochhaus der gezeigten Stadt heran, fällt auf, mit wie viel Liebe hier ans Werk gegangen wird. Gleiches gilt für den Schwarzmarkt, der auf einem ausrangierten Flugzeugträger Platz fand. Leuchtreklamen blinken, Arbeiter schweißen am Heck, Jahrmarktmusik ist zu hören. Schon im frühen Entwicklungsstadium begeistern Optik und Klang des neuen Anno sofort - hier befindet sich Related Designs auf dem richtigen Weg.
Ansonsten orientiert man sich trotz aller Neuerungen an der Tradition der Serie. Die Mechanik geht Annoholics sofort in Fleisch und Blut über, das Itemsystem ist erhalten geblieben und Handeln bleibt eine wichtige Option im Spiel. Auch die Möglichkeit einer militärischen Auseinandersetzung ist wieder mit an Bord, allerdings eher als Feature am Rand, wie die Entwickler betonen. Wichtiger ist abermals die Diplomatie. Ob das auch für den Multiplayer-Modus gilt, den man ebenfalls angekündigt hat, ist noch offen. Details zu Mehrspieler-Varianten und Koop-Modus kündigt man für die nächsten Monate an, allerdings versichern die Macher, dass alle aus den Vorgängerspielen bekannten Modi enthalten sein sollen.
Anno bleibt nicht mehr Anno. Stattdessen schreiten die Macher voran und wagen sich an ein Setting, dass trotz der Betonung, man wolle kein Serious-Game abliefern, nicht ohne gegenwartskritische Elemente daherkommt. Die Fans belohnen den Mut: In einer Marktforschungs-Initiative, an der 70.000 Anno-Spieler teilgenommen haben, hat sich die überwältigende Mehrheit ein neues Setting gewünscht.
Wie konsequent man dem Spieler die Folgen des eigenen Handelns präsentiert, müssen die Entwickler noch zeigen. Sollten die Effekte mehr grafischer Natur sein als Auswirkungen auf das Gameplay haben, würde man hier ein interessantes Spielelement nur halbherzig nutzen.
Bleibt alles anders: Anno 2070 ist mutig, neu und auf eine gewisse Art doch bekannt. Denn am Spielprinzip wird mehr gefeilt statt revolutioniert. Den guten ersten Eindruck schmälert das jedoch nicht. Im Gegenteil: Das gezeigte Material macht Lust auf mehr, vor allem, weil man in die vermeintlich "schlechte" Rolle der schwerindustriellen Partei schlüpfen darf. Wie viel Freiheit die Macher dem Spieler wirklich bieten, wird sich in den Monaten bis zum Release Ende dieses Jahres zeigen. Schon nach einem ersten Blick ist aber sicher: Related Designs sind auf bestem Weg, die Serie zu neuen Erfolgen zu führen.
Volker Bonacker
Bürger schrieb:
am 18. April 2011 um 23:40:46
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anno war einmal...
@ Sepp, Wir machen mit,...
Und für Kinder ist es auch mal endlich ein Lichtblick...
Weg mit dem alten aggressiven
Mist.
Werde zwei Spiele holen, da mein Neffe gern mit mir oline Spielt, evtl. funzt das mit dem guten Stück, ja.
Gute Zeit
auch an die Macher, Super,.....guter Schritt,.....
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jürgen schrieb:
am 18. April 2011 um 22:12:25
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gähn
wenn ich zukunft will,spiel ich starkraft oder c+c.
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Sepp schrieb:
am 18. April 2011 um 17:11:00
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Anno
Dieses Anno-Setting in der Zukunft, sieht doch sehr vielversprechend aus. Ich denke da werde auch ich mir mal wieder ein neuen Game leisten.
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