19.05.2011, 14:14 Uhr | vb
Schon im Vorfeld propagierte Splash Damage, das Entwicklerteam hinter "Brink", sein neuestes Werk als Revolution der Ego-Shooter. Und tatsächlich protzt die Online-Ballerei mit etlichen kreativen Ideen. Wie in "Mirror's Edge" toben Actionfans auf PC, PS3 und Xbox 360 in Parkour-Manier durch die Levels. Zudem basiert Brink auf dynamischen Mehrspieler-Abschnitten mit verschiedenen Soldatenklassen und Nebenmissionen. Wir verraten, warum das Spiel trotzdem hinter den großen Erwartungen zurück bleibt.
Zunächst ist Brink für Solospieler nahezu uninteressant: Die rund 20 Missionen der Kampagne werden durch die dünne Geschichte kaum zusammengehalten. Der Spielspaß leidet obendrein unter unzähligen KI-Aussetzern - die Kameraden reagieren zu spät auf Beschuss oder finden den Weg nicht. Wer zu den Online-Optionen noch einen guten Singleplayer-Part sucht, der sollte daher lieber bei Konkurrenten wie Crysis 2 zuschlagen. Brink versteht sich als waschechte Online-Ballerei. Die Solo-Kampagne ist daher nur ein leichtes Aufwärmtraining für die Internet-Gefechte.
Der Übergang zwischen dem Single- und dem Multiplayer-Teil des Spiels ist fließend. Bei aktivierter Internet-Verbindung können dazu kommende andere Mitspieler sofort ins Geschehen eingreifen. Auf dem Schlachtfeld geht es mit zwei Achter-Teams ordentlich zur Sache. Die Missionen basieren auf dynamischen Unterzielen. Mal müssen die Spieler einen Boten eskortieren, dann wieder Daten an einem Rechner hacken. Die vier Charakterklassen Soldat, Agent, Techniker und Sanitäter haben dabei jeweils andere Aufgaben und Fähigkeiten. Ein Sanitäter heilt etwa seine Kameraden oder verbessert kurzzeitig deren Energie. Techniker hingegen bauen für die Mission wichtige Apparaturen wieder auf oder platzieren Geschütze.
In Brink ist Teamwork der Schlüssel zum Erfolg. Für jede Aktion erhalten die Spieler Erfahrungspunkte. Mit diesen steigt die eigene Spielfigur in neue Stufen auf und aktiviert dadurch neue Fähigkeiten. Jede Klasse besitzt rund zehn spezielle Extrafähigkeiten sowie zehn weitere generelle Kräfte. Leider ist der spielerische Umfang nicht sonderlich groß ausgefallen: Die insgesamt nur acht Karten und zwei nahezu identischen Spielmodi wiederholen sich recht schnell. Zudem kommt es auf der Xbox 360 (die PS3-Fassung konnten wir aufgrund des PSN-Ausfalls noch nicht testen) immer wieder zu kleinen Ruckel-Einlagen im Online-Spiel. Auch grafisch sieht man Brink an, dass es lediglich auf der in die Jahre gekommene id-Tech-Engine basiert. Zwar sind die Figuren herrlich schräg und überzeichnet, die Areale selbst aber wirken recht kantig und nicht sehr liebevoll gestaltet. Und das Spiel kämpft immer wieder mit Texturproblemen.
Im Online-Modus macht Brink immer wieder Spaß. Die Team-Missionen sind ausgesprochen dynamisch und werden durch die wechselnden Aufgaben auch nicht so schnell langweilig. Das Erfahrungssystem belohnt Teamplay und motiviert mit sinnvollen Erweiterungen und Extras für die eigene Spielfigur. Wer also abseits von schnellen Online-Erlebnissen, wie sie Call of Duty bietet, eine Abwechslung sucht, bei der es ganz auf das Zusammenspiel mit Freunden ankommt, der wird hier fündig.
Aktuell kämpft Brink noch mit technischen Problemen und wird vom Hersteller fleißig gepatcht. Speziell die Xbox 360-Fassung leidet unter schwerwiegenden Spielverzögerungen. Überhaupt macht Brink nicht immer eine gute Figur. Grafisch sind besonders die mageren Effekte bei Explosionen ein Witz, und auch der Spielumfang müsste deutlich größer ausfallen.
Zu kurz gesprungen: Brink revolutioniert das Shooter-Genre nicht. Denn bis auf das "Smart"-Bewegungssystem, das gelungene Parkour-Einlagen ermöglicht, bietet es eigentlich kaum echte Innovationen. Elemente wie das Sammeln von Erfahrung, Upgrades und freies Wechseln zwischen Singleplayer und Multiplayer sind bereits aus anderen Action-Games bekannt. Daher ist Brink lediglich ein guter Online-Shooter mit individuellem Stil und schwacher Kampagne. Unter den verschiedenen Versionen hat die PC-Fassung klar die Nase vorn.
Titel: Brink
Genre: Ego-Shooter
Hersteller: Splash Damage
Release: Im Handel
Preis: zirka 45 Euro (PC), zirka 55 Euro (PS3, Xbox 360)
System: PC, PS3, Xbox 360
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Gut (PC) / Befriedigend (Xbox 360, PS3 nicht getestet)
Quelle: Medienagentur plassma
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