17.05.2011, 13:53 Uhr | Sabine Vogel / vb
Videospiele brauchen keine Bombast-Grafik, um Spaß zu machen. Das stellen immer wieder erfolgreiche Indie- und Mini-Spiele für PC und Konsolen unter Beweis. Ein besonders beliebter und sogar preisgekrönter Vertreter der Gattung ist "Desktop Dungeons" für PC und Mac. Das Download-Spiel des südafrikanischen Studios Quarter Circle Forward erhielt Anfang 2011 einen Design-Preis und den Grand Prize beim "Independent Games Festival". Aber auch sonst begeistert das Gratis-Game durch seine Zugänglichkeit, die simple aber fesselnde Spielmechanik und den extremen Suchtfaktor, der einen einfach immer weitermachen lässt.
Desktop Dungeons ist eigentlich ein typisches sogenanntes "Rogue-like", also ein Rollenspiel, in dem man den Helden im Textmodus mit der Tastatur durch sein Abenteuer steuert. Das Ganze läuft in einem normalen Desktop-Fenster ab, kann also auch wunderbar nebenbei gespielt werden. Die Präsentation: minimalistisch und im Stil von 90er-Jahre-Computerspielen. Aus einer pixeligen (8-Bit) 2D-Vogelperspektive schaut der Spieler auf die 400 Felder große Kerkerwelt, deren Story in Textkästen vorangetrieben wird - leider nur auf Englisch. Macht aber nichts, denn die Story ist ohnehin zu vernachlässigen: Den einsamen Helden verschlägt es in einen Dungeon, wo Monster und Schätze aller Art auf ihn warten. Um aus dem Kerker wieder zu entfliehen, muss der Bossgegner dran glauben. Doch um den knacken zu können, steht zuvor das Aufleveln des eigenen Helden durch harte Kämpfe auf dem Stundenplan. Entgegen seiner dürftigen Präsentation ist das Gameplay selbst hochkomplex. Verschiedene Heldenklassen, Gottheiten, Ausrüstungen und Zauber sorgen für die nötige Spieltiefe und Abwechslung.
Wahlweise als Krieger, Priester, Magier oder Schurke zieht der Spieler durch den zufallsgenerierten Dungeon. Weitere Klassen und Dungeon-Typen werden im Laufe des Spiels freigeschaltet. Klarer Fall, dass alle Klassen auch eine unterschiedliche Spielweise voraussetzen. Mit den Pfeiltasten werden die Helden durch den Kerker geschickt, decken schwarze, noch nicht betretene Felder auf, töten Monster nach dem einfachen Gesetz des Stärkeren und schaffen es am Ende hoffentlich zum Endgegner, einem besonders starken Level-Zehn-Monster. Zehn Minuten dauert so eine Odyssee im Schnitt; was aber nicht heißt, dass man nach zehn Minuten auch wirklich den Sieg errungen hat. Viel eher hat man zu diesem Zeitpunkt schon mehr als einmal das Zeitliche gesegnet und startet einen neuen Versuch. Denn Desktop Dungeons ist eine ziemlich harte Nuss. Hier muss man genau abwägen, welchen Gegner man mit welchen Mitteln angreift, welchen Winkel man als nächstes erkundet und welchem der Götter man huldigt, um am Ende stark genug für den Sieg zu sein.
Kleines Game ganz groß: Desktop Dungeons mag unscheinbar wirken, hat aber starke innere Werte. Sieben Rassen, 18 Klassen, acht verschiedene Modi und jede menge Freispielbares sorgen neben Online-Leaderboards für langanhaltenden Spaß - und das alles völlig kostenlos. Man sollte allerdings vorsichtig sein, mit Desktop Dungeons seine Mittagspause verbringen zu wollen: Wer einmal anfängt, hört so schnell nicht wieder auf.
Es gibt wenig, was an Desktop Dungeons unschön anmutet. Neben der Grafik, die hauptsächlich älteren Spielern das Herz aufgehen lässt, ist das vor allem der knackige Schwierigkeitsgrad. Teilweise scheint Desktop Dungeons sogar unfair schwer und frustriert den Spieler ab und an.
Alles in allem ist Desktop Dungeons ein herrlicher Pausenfüller der ganz alten Schule: zum Durchbeißen und Taktieren, aber auch ganz einfach für den Entdecker- und Abenteurer-Spaß zwischendurch. Zum Download gibt es das Gratis-Game auf der offiziellen Desktop Dungeons-Seite.
Quelle: Richard Löwenstein
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