Das Spiel mit dem Tod: Geschmacklos oder anregende Kunst?Erschienen am 10. Oktober 2008 | tz
| | The Graveyard (Bild: Tale of Tales) |
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Das Kunstprojekt The Graveyard vom belgischen Entwickler Tale of Tales ist so ungewöhnlich wie simpel. In dem komplett in Schwarz-Weiß gehaltenen, sehr kurzen Spiel schlüpft man in die Rolle einer gebrechlichen alten Dame, die einem Friedhof einen Besuch abstattet. Einziges Ziel ist es, die am Stock gehende Frau zu einer Parkbank vor der Friedhofskapelle zu begleiten. Die Steuerung fällt denkbar einfach aus: Mit den Pfeiltasten bringt man die Greisin zur Parkbank. Dort angekommen, setzt eine ruhige, tragende und stimmungsvolle Musik ein. Bilder erscheinen, die Dame beginnt ihr eigenes Leben Revue passieren zu lassen. An dieser Stelle wird auch der Spieler dazu animiert, selbst über das eigene Leben und dessen Vergänglichkeit nachzudenken. So simpel, so harmlos und tiefgründig zugleich. Download The Graveyard - DemoFoto-Show The Graveyard: ScreenshotsDer Tod kostet extra
| | The Graveyard (Bild: Tale of Tales) |
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Eine Besonderheit von The Graveyard kann allerdings als kontrovers diskutierbar betrachtet werden: "Umsonst ist nur der Tod", so lautet ein bekanntes Sprichwort. Das gilt jedoch nicht für The Graveyard, denn die fünf US-Dollar teure Vollversion bietet lediglich ein einziges zusätzliches, aber streitbares Feature: Die alte Dame kann während ihres Spazierganges über den Friedhof sterben. Der Tod wird zu einem Extra, das man nur gegen Bezahlung erhält. Verwerflich oder völlig harmlos? Würden Sie zahlen um zu sehen, wie die gebrechliche Dame den Weg alles Irdischen geht? Teilen Sie uns ihre Meinung am Ende des Artikels mit! Foto-Show Kuriose Spiele-DownloadsSpiele-Quiz Sind Sie ein Spiele-Kenner?Pro & Contra: Das Spiel mit dem Tod Tobias Z. (26): Guter Anreiz zum Nachdenken
| Alexander W. (37): Das Leiden einer alten Frau kann nicht unterhalten
| | Die schwarze-weiße Einfärbung schafft eine von Grund auf würdevolle bis melancholische Stimmung, die durchaus dazu anregt, über unser eigenes Leben nachzudenken. Die alte Dame führt uns mit ihrer gebrechlichen Gangart unmissverständlich vor Augen, was die meisten Menschen nur allzu gerne tief im Unterbewusstsein zu Verdrängen versuchen: Der schleichende, körperliche Verfall und letztendlich das unausweichliche Münden des Lebens in den Tod. Je eher wir über diese unaufhaltsamen Vorgänge nachdenken, desto besser können wir lernen, uns damit zu arrangieren. In diesem Sinne kann ich den Machern von The Graveyard zu ihrem auf den ersten Blick sehr simplen, bei genauerer Betrachtung jedoch äußerst tiefgründigen, zur Selbstreflexion anregenden Projekt nur gratulieren. | Das Dahinsiechen einer alter Frau zu einem Unterhaltungsprodukt - nichts anderes sind Spiele - zu verarbeiten, finde ich unangebracht. Schon an ihrem schwerfälligen Gang, dem Humpeln, sieht man, ja, man kann es fast spüren, dass es der Seniorin schlecht geht. Jeder Schritt kostet sie viel Mühe. Vielleicht sind es sogar ihre letzten Schritte? In der Vollversion kann darüber der Spieler entscheiden. So etwas soll mich unterhalten?!?Wäre nicht die künstlerische, stilvolle Schwarz-Weiß-Aufmachung, hätte ich dieses Produkt nach ein paar Sekunden sofort gelöscht. So hinterlässt The Graveyard bei mir ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Leid und Tod als Computerspiel, so etwas muss meiner Meinung nach nicht sein! |
Quelle: tz
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