16.02.2012, 12:13 Uhr | Volker Bonacker (jr)
Diesen Trip wird man wohl nicht so schnell vergessen: Ubisoft schickt die Spieler in "Far Cry 3" auf einen Inselurlaub und macht sie auf PC, PS3 und Xbox 360 zum Helden wider Willen. Denn als der Rucksacktourist Jason samt Freunden vom durchgeknallten Despoten Vaas entführt wird, verwandelt sich der zuvor so harmlos erscheinende Backpacker in eine tödliche Kampfmaschine. Wie sein Rachefeldzug abläuft, geben die Macher allerdings nicht im Detail vor. Stattdessen wird auch im dritten Teil der Actionspiel-Reihe Freiheit groß geschrieben. Wir haben uns vor Ort davon überzeugt, wie gut das Spielprinzip schon jetzt funktioniert.
Während draußen im winterlichen Montreal arktische Temperaturen herrschen, brennt im Vorführraum des hier ansässigen Studios von Ubisoft die Luft: Held Jason ist eben an Land gegangen, hat eine Wache kaltblütig mit dem Messer ausgeschaltet und scannt nun die Umgebung nach Gegnern ab. "Medusa" heißt die Mission, die vorgestellt wird. Das Ziel: Den Funkmast eines feindlichen Schiffes finden, deaktivieren und die gegnerische Verteidigung damit schwächen. Auf dem Weg zwischen Jason und dem Ziel: 15 schwer bewaffnete Feinde. Lautlos bewegt sich der ehemalige Tourist auf den ersten zu, dann den nächsten. Als er entdeckt wird und der Alarm losgeht, ist es jedoch vorbei mit dem Stealth-Gameplay. Ab jetzt sprechen die Feuerwaffen - die Jason in Form einer AK47 mit sich führt. Deckung nehmen, Salve um Salve in die gegnerischen Reihen pumpen - hier spielt sich Far Cry 3 wie ein typischer Ego-Shooter.
Das soll der Titel im Kern auch sein, wie die Macher verraten. Allerdings mit jeder Menge zusätzlicher Optionen - ein Konzept, das die Entwicklern als "360-Grad-Ansatz" bezeichnen. So steht es dem Spieler frei, wie er die Gefechte angeht: still und leise oder laut und böse. Oder ganz anders? Die Möglichkeiten sollen üppig ausfallen und sich nicht nur auf eine offene Spielwelt beschränken. Stattdessen soll sich Far Cry 3 mit jedem Durchspielen und jeder neuen Mission anders anfühlen. Dazu tragen auch die Jobs abseits der Hauptstory bei: Kleinere Aufträge, die Jason annehmen kann, um sich Extras freizuspielen, die dann im weiteren Spielverlauf hilfreich sind. Auch hier gilt: Alles kann, nichts muss. Wer jedoch nicht mit höchster Geschwindigkeit - inklusive der Optionen, schnell von einem Ort zum anderen zu reisen - durch die Story preschen will, sondern lieber die Insel frei erkundet, der wird abseits der Wege jede Menge zusätzliche Tätigkeiten vorfinden. Etwa bei einem höchst skurrilen Doc, der zum Erstellen einer neuen Medizin noch einen besonderen Pilz braucht. Den soll Jason holen - und was als harmlose Hol-und-bring-Mission beginnt, endet im "Apocalypse Now"-artigen Drogentrip.
Bei der Entwicklung des Charakters nimmt Ubisoft den Spieler ebenfalls an der langen Leine: Über ein Rollenspiel-artiges Punktesystem verteilt man regelmäßigt die im Verlauf der Missionen erkämpften Punkte, um Jasons Fähigkeiten auszubauen. Welche das sein werden, hat Ubisoft noch nicht verraten, verspricht jedoch, dass sich der Held gemäß den Vorstellungen des Spielers anpassen lässt. Wer also verstärkt auf Schleichen setzt, wird diese Fähigkeit Stück für Stück ausbauen können. Schön: Im Gegensatz zu Genre-Kollegen ist Jason alles andere als schweigsam. Steht er vor einem schweren, stationären Maschinengewehr und hält auf die Gegner, brüllt er seine Wut auf die Feinde bisweilen lautstark heraus. Gut, dass man sich hier nicht auf einen sterilen Actionhelden festlegt, sondern stattdessen einen eingangs unschuldigen Touristen auf eine Reise schickt, bis zu deren Ende auch eine charakterliche Verwandlung erfolgt. Denn während die ersten Angriffe noch alles andere als harmlos über die Bühne gehen, lernt Jason mit jedem weiteren Kampf dazu.
Die Kämpfe stehen in krassem Gegensatz zur Spielwelt: Die Insel, auf der Far Cry 3 spielt, kommt farbenprächtig und liebevoll gemacht daher und sprüht nur so vor Leben. Tiere kreuzen den Weg des Helden, Bäche plätschern vor sich hin und ein Wettermodell sorgt für dynamische Effekte auf dem Bildschirm. Die verschiedenen Landschaften - und davon wird es von Strand bis zu bergigen Gegenden zahlreiche geben - sehen dank aufwändiger Effekte schon jetzt derart gut aus, dass man das Eiland eigentlich nicht verlassen will.
Den Rest erledigen die Animationen: Die Charaktere sind nicht nur gut dargestellt, sondern bewegen sich auch lebensecht. So springt, klettert und hangelt sich Jason in einer Weise durch die Szenerie, die schon das bloße Zuschauen zum Vergnügen macht und selbst Lara Croft neidisch machen dürfte. Dafür verantwortlich sind umfangreiche Motion-Capturing-Aufnahmen, die Ubisoft in einem Studio nahe Montreal anfertigen lässt. Mehr als 10.000 davon sind in Arbeit, 200 pro Tag werden produziert. Dafür verwenden die Macher 60 Infrarotkameras mit je 16 Megapixeln und ein rund 20 Personen großes Team. Man merkt: Far Cry 3 wird keine Low-Budget-Produktion, sondern gehört in Sachen technischer Umsetzung zu den Großen des Genres.
Eine offene Spielwelt, Freiheit bei der Entwicklung des Charakters und die Wahlmöglichkeit, ob man Aufträge abseits der Hauptstory annimmt: Far Cry 3 nimmt's mit der spielerischen Freiheit genau. Und verpackt das Paket in eine riesige, wunderschöne Insellandschaft. Verglichen mit der Konkurrenz setzt man hier auf Neues und feiert nicht Altbekanntes im Jahrestakt ab.
Es wird sich noch zeigen müssen, ob die Veränderungen nur kosmetischer Natur sind oder gravierendere Auswirkungen haben. Wie sich Charakterentwicklung, Auftragsauswahl und die jeweiligen Herangehensweisen auf den Fortgang der Story auswirken, haben die Macher nämlich noch nicht verraten. Und kann das Spiel mit all diesen Neuerungen noch als klassischer Ego-Shooter durchgehen? Auch hier steht die Antwort noch aus. Gleiches gilt für den Mehrspieler-Modus: Gibt's auch hier Freiheiten, oder liefert man Altbekanntes? Die nächsten Monate werden es zeigen.
Actionfans, die von Militärsimulationen mit schlauchartigen Levels die Nase voll haben, wird's ebenso freuen wie Freunde großer, frei begehbarer Spielwelten: Hält Ubisoft Wort, wird Far Cry 3 einer der interessantesten Actiontitel des Jahres, den man sich schon jetzt vormerken sollte.
Titel: Far Cry 3
Genre: Action
Publisher: Ubisoft
Hersteller: Ubisoft Montreal
Release: 6. September 2012
Preis: Noch nicht bekannt
System: PC, PS3, Xbox 360
USK-Freigabe: Noch nicht bekannt
Einschätzung: Sehr gut
Volker Bonacker (jr)
Ich schrieb:
am 16. Februar 2012 um 22:22:03
(1)
(0)
Publisher = Ubisoft ?
Dann kann man das Spiel nur im Regal liegen lassen, denn den Slogan "Alles kann, nichts muss" nimmt Ubisoft bei
seinen aktuellen Titeln mit Daueronlineschutz nur allzu wörtlich. Siedler, AC, Anno immer wieder Serverausfälle und technische Probleme. Dazu jetzt bei Anno 2070 auch noch völlig überteuerten DLC der, wie kann es auch anders sein, technisch unausgereift ist und unzuverlässig funktioniert. Service = 0, nee Ubisoft, behaltet euren Mist für euch.
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