05.01.2009, 11:46 Uhr | Spiegel Online (Dennis Schirrmacher / jr)
Konsolen-Plagiate aus China (Montage: t-online.de)Die Wii von Nintendo dient dem japanischen Traditions- Unternehmen seit dem ersten Tag als Gelddruckmaschine. Die kleine weiße Konsole belegt bei der aktuellen Konsolen-Generation die Spitze der Verkaufscharts. Allein zu Thanksgiving verkaufte sich die Wii in Nordamerika etwa 800.000 mal, im vergangenen Jahr wurden in dem Zeitraum 350.000 Stück verkauft.
Kein Wunder, dass so viel Erfolg Produktpiraten auf den Plan ruft. Gerade zu Weihnachten wollten viele Eltern ihre Kinder mit einer Spielkonsole überraschen. Da sich aber auch viele Eltern in dem Bereich nicht besonders auskennen, konnte es passieren, dass die Kleinen statt einer Nintendo Wii eine "Chintendo Vii" oder statt der Playstation 3 eine "PolyStation 3" unter dem Weihnachtsbaum finden. Tränen sind da zwangsläufig, denn oft können die Konsolen nicht mehr als ein Telespiel aus den Neunzigern - Eltern dürften dann höchstens noch über den günstigen Preis erfreut sein.
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PolyStation 3 (Bild: t-online.de)So besteht die "PolyStation 3" fast nur aus einer leeren Plastikhülle, die Berechnung des Spiels findet ausschließlich im integrierten streichholzschachtelgroßen Bildschirm statt. Der bitterböse britische Harware-Blogger "Dr. Ashens" beispielsweise hat das Gerät getestet und ist, sagen wir mal, not amused. Auch das Nintendo DS-Plagiat "Neo Double Games" ist eigentlich nur eine Hülle, die wie das Original aussieht, um Käufer hereinzulegen. Die Spiele sind auch hier im Display verbaut, das man zum Spielwechsel austauschen muss. Der DS-typische zweite Bildschirm bleibt immer aus, da man ja immer nur ein Spiel spielt. Dass es noch dreister geht, zeigt Hersteller KenSingTon (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen, seriösen US-Computerzubehör-Hersteller Kensington), der wiederum ein Plagiat der "Chintendo Vii"-Konsole namens "KenSingTon Vii" verkauft. Von Nintendo und Sony war eine Stellungnahme zu den Plagiatoren nicht zu bekommen - dass die japanischen Herstellerfirmen über die Produktfälschungen nicht erfreut sind, liegt aber auf der Hand. Schließlich schaden die nicht nur dem eigenen Geschäft, sondern beschädigen schlimmstenfalls sogar den Ruf des eigenen Unternehmens.
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Solche sogenannten Ripoffs sind in Deutschland glücklicherweise kaum verfügbar. In Amerika, England und vor allem ihrem Haupt-Ursprungsland China sind sie aber weit verbreitet, besonders in Internet-Shops und großen Supermarktketten. Die britische Zollbehörde HMRC hat bereits Hunderte von Geräten beschlagnahmt und warnt außerdem vor potentiell gefährlichen Netzteilen. Im schlimmsten Fall können diese Feuer fangen, wie Clare Merrills, Sprecherin der HMRC, der BBC mitteilte. Also Augen auf beim Konsolen-Kauf.
Spiegel Online (Dennis Schirrmacher / jr)
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