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Gamescom 2010: Die Spiele-Branche plagt die "Wiederholeritis"

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GC 2010: Spiele-Branche plagt die "Wiederholeritis"

20.08.2010, 09:08 Uhr | jr

Gamescom 2010: Diablo-Spieler am Stand von Blizzard (Bild: Reuters)

Gamescom 2010: Diablo-Spieler am Stand von Blizzard (Bild: Reuters)

Schlechte Aussichten für kreative Wagnisse: Die Spiele-Branche setzt auf Altbewährtes. Neue Figuren und neue Konzepte sind auf der Spielemesse Gamescom (18. bis 22. August) in Köln selten zu sehen. Wer nicht genau hinguckt, könnte Bilder von der Gamescom 2010 leicht mit denen des Vorjahres verwechseln. Zu sehen sind volle Hallen, fröhliche Gesichter und zumeist junge Menschen, die vor dem Bildschirm tanzen oder virtuell den Tennisschläger schwingen. Auch die Namen vieler Spiele klingen bekannt: "Diablo" und "Need for Speed" gibt es etwa, oder "Little Big Planet" und "Crysis". Die Unterschiede zu den Vorjahren sind zumeist marginal: Der Spieltitel trägt eine andere Versionsnummer oder Ergänzung.

Alter Wein in neuen Schläuchen

200 Premieren hat die Messegesellschaft in Köln angekündigt. Wirklich neue Spielkonzepte oder neue Storys sind aber kaum dabei. Hollywood hat die Fortsetzung erfunden, die Spielebranche hat das Prinzip perfektioniert. Die Wirtschaftskrise hat die "Wiederholeritis" noch einmal verschlimmert. Das hat zum einen mit den Kosten zu tun. "Die Preise für Spiele sind nicht im gleichen Maße gestiegen wie die Entwicklungskosten", sagt Uwe Bassendowski, Chef der deutschen Playstation-Sparte von Sony. Die Faustformel: Ein Spiel für die aktuelle Konsole PS3 verschlinge das Fünffache dessen, was ein Spiel für die erste Gerätegeneration gekostet habe. Die Einzelhandelspreise für Spiele sind dagegen seit Jahren relativ stabil. Früher kosteten die Top- Titel rund 80 D-Mark, heute sind es 40 bis 50 Euro.

Die Wirtschaftskrise macht vorsichtig

Ein Grund für die Kostenexplosion ist derzeit auf der Gamescom zu sehen: Wer die aufwändigen Werbefilme für die heutigen Ego-Shooter oder Rollenspiele sieht, weiß, wie wichtig eine opulente Grafik ist, um die Fans zu überzeugen. Höhere Kosten bedeuten aber auch ein höheres unternehmerisches Risiko. Damit steigt der Druck, einen Erfolg zu landen. Daher legen die Unternehmen gerne neu auf, was sich schon einmal bewährt hat. Die wirtschaftlichen Turbulenzen haben diesen Trend verstärkt. Die Menschen halten ihr Geld zusammen. Das wissen auch die Publisher und bringen dementsprechend deutlich weniger Titel auf den Markt. "Die ersten sechs Monate sind meist entscheidend, danach wird mit den meisten Spielen nicht mehr viel Geld verdient", sagt Alessandro Pagella, Spieleexperte der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC).

Probleme bei der Finanzierung

Bei trüben wirtschaftlichen Aussichten ist es zudem schwieriger, Produkte zu finanzieren. Wenn etwas Erfolg verspricht, dann die "Triple-A"-Titel. Jedes A steht für Verkaufspotenzial. Und das sind nun mal bekannte und beliebte Spiele. "In der Krise macht man das, was funktioniert", sagt Oliver Kaltner von Microsoft, das sei eine "nachvollziehbare kaufmännische Entscheidung". Schlechte Aussichten für kreative Wagnisse.

Spieler favorisieren Vertrautes

Nun ist es nicht so, dass die Spieler gegen die Fortsetzungsarien der Hersteller auf die Barrikaden gehen. "Der Vorteil ist, dass man die Marke kennt und weiß, was dahinter steckt", sagt ein Student aus München, der auf der Gamescom für einen Test von Diablo 3 ansteht - und spricht damit wohl stellvertretend für viele. Vertraute Charaktere und ein bewährtes Spielprinzip seien durchaus ein Kaufargument. Ein anderer Spieler betont, dass sich von Fortsetzung zu Fortsetzung etwas tue - so hätten viele Ego-Shooter mittlerweile einen Multiplayer-Modus, der gemeinsame Jagd auf Monster oder Terroristen zulasse.

Einerseits - andererseits

Die Meinungen gehen auch in der Branche auseinander. "Als Hardware-Hersteller wünschen wir uns natürlich neue Genres und neue Konzepte", sagt Xbox-Manager Kaltner. Microsoft selbst scheut sich aber nicht, den Fans der millionenfach verkauften PC-SpieleFlight Simulator und Age of Empires neue Folgen anzukündigen. Ubisoft-Chef Yves Guillemot hebt dagegen hervor, dass auch Spieler etwas von den Fortsetzungen haben. "Wenn man mit Spiel-Charakteren Spaß hat, bleibt man auch gerne dabei." Die Marke sei so etwas wie ein Signal. "Wenn die Unternehmen bei ihren Fortsetzungen nicht innovativ genug sind, werden die Marken verschwinden", betont er.

Weitere Informationen zur Gamescom 2010 finden Sie in unserem Gamescom-Special.


Quelle: dpa

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