18.08.2011, 15:30 Uhr | jr / ams
Gamescom 2011: Spieler tippen auf PC-Tastaturen (Quelle: dpa/dpa)
Am heutigen Donnerstag hat in Köln die Spielmesse Gamescom ihre Pforten für das Publikum geöffnet. Bis Sonntag präsentieren dort mehr als 550 Aussteller aus fast 40 Ländern Neuheiten, Spiele-Premieren und bieten Möglichkeiten zum Ausprobieren. Doch die Gamescom ist längst nicht nur zum Spielen da: Auch als Jobbörse hat sie Rang und Namen. Ein wichtiger Punkt, denn zur Zeit sucht die Branche händeringend Fachpersonal.
Level Designer, Graphic Artists oder Modeller - so schillernd wie die Games-Industrie muten auch die Berufsbezeichnungen in den Stellenangeboten an. Rund 1000 Arbeitsplätze in der Branche sind zurzeit unbesetzt, schätzt der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). "Wir haben 30 bis 40 offene Stellen", sagt Julia Koschel vom Online-Spiele-Anbieter Gameforge. Entwickler, Systemadministratoren, Grafiker - es gebe viele Bewerbungen, aber nicht genug qualifizierte. "Ich glaube, die Leute haben häufig falsche Vorstellungen vom Job, weil in der Spieleindustrie nicht so klassisch ausgebildet wird." Der Markt an guten Kräften sei recht leer gefegt, meint auch Frogster-Personalchef Heiko Schinköthe. "Das Angebot ist weitaus größer als die Nachfrage. Vor allem Positionen, die spezifisch mit Games zu tun haben, sind schwer zu besetzen."
Trotz zunehmender Ausbildungsmöglichkeiten kann die Zahl der Absolventen mit dem Wachstum der Branche noch nicht Schritt halten. Nach BIU-Angaben gibt es bundesweit inzwischen 275 Entwickler und Publisher von Computer- und Videospielen - etwa doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Insgesamt seien 750 Unternehmen mit 10.000 Beschäftigten in der Games-Branche tätig. "Vor allem bei Programmierern konkurriert die Spiele-Industrie natürlich mit der etablierten IT-Branche", sagt BIU-Chef Wolters. Einige große Entwicklungsstudios rekrutierten ihre Mitarbeiter bereits im Ausland.
Spezielle Ausbildungen für Spiele-Entwickler sind in Deutschland noch recht jung. Vor zehn Jahren ging die erste auf Games spezialisierte Schule in Berlin an den Start, vor etwa fünf Jahren gab es die ersten Abgänger. Mittlerweile bieten laut BIU mehr als 40 private und öffentliche Einrichtungen Games-bezogene Studiengänge oder Forschungsschwerpunkte an. Ein Problem dabei ist jedoch, dass sich die Ausbildungsangebote sehr voneinander unterscheiden: Einheitliche Standards fehlen. "Man müsste mehrere verschiedene Fachbereiche, die bisher voneinander getrennt sind, zusammenbringen", sagt Professor Jörg Müller-Lietzkow vom Institut für Medienwissenschaft der Universität Paderborn. Doch ressortübergreifende Verknüpfungen plus Praxisbezug - das sei vor allem an den Unis "sehr schwierig".
Eine weitere Herausforderung sieht der BIU darin, dass ständig neue Berufsbilder entstehen - so schnell könnten die Ausbildungsinstitute meist gar nicht reagieren. "Community Manager" zum Beispiel, die Kommunikationsportale im Internet betreuen, würden immer häufiger gesucht - einen geregelten Ausbildungsweg gibt es bislang nicht. Neben dem Staat sehen Experten auch die Wirtschaft gefordert, Hochschulen bei der Ausbildung im Games-Bereich zu unterstützen. "Wenn die Industrie nicht nachhaltig in die Ausbildung investiert, wird es mit der deutschen Games-Industrie genauso schnell bergab gehen, wie es bergauf gegangen ist", warnt Müller-Lietzkow.
Quelle: dpa
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