02.03.2011, 12:58 Uhr | Volker Bonacker
Gebrauchte Spiele (Quelle: imago)
Wer viel spielt, kennt das: Der Abspann ist lange schon vorbei, das Spiel danach auf allen möglichen Schwierigkeitsgraden geschafft. Selbst die begehrten Achievements oder Trophäen sind freigespielt. Jedes Geheimnis ist gelüftet, alles Sammelbare gefunden, man hat gesehen, was es zu sehen gibt. Und weil es keinen Mehrspieler-Modus gibt oder der Zocker vor dem Bildschirm ohnehin keine Mehrspieler-Partien mag, verstaubt das Game im Regal. Und damit Geld. Denn Gebrauchtspiele können gegen Euros oder neue Ware getauscht werden. Wir zeigen, was man aus alten Games noch herausholen kann - und welche Fallen mit Onlinepass, Altersfreigaben und Download-Inhalten lauern.
Drei Beispiele: Unter dem Weihnachtsbaum lagen im vergangenen Jahr Call of Duty: Black Ops, Fifa 11 und Mass Effect 2. Rund zwei Monate später sind alle entweder durchgespielt oder nicht mehr von Interesse. Geht es nun an den Verkauf, zeigen jedoch schon diese drei Titel, wie kompliziert der Handel mit gebrauchter Ware sein kann.
Denn Black Ops hat eine USK-Freigabe "Ab 18 Jahren" erhalten und darf somit nicht an Minderjährige verkauft werden. Deshalb kann der Artikel etwa im Online-Auktionshaus eBay nicht angeboten werden. Wohl aber auf dem Amazon-Marketplace oder Erwachsenen-Verkaufsplattformen wie "Rote Erdbeere" und "Xjuggler". Da diese jedoch nur einen Bruchteil der Nutzer von eBay haben, ist hier mangels Wettbewerb mit einem schlechteren Preis zu rechnen. Zudem nimmt Amazon für den Handel mit fremder Ware stattliche Gebühren. Mitunter lohnt der Gang in den örtlichen Spielehandel also. Hier gibt es zumindest für gesuchte Titel meist gutes Geld. Oftmals finden sich auch Sonderaktionen, bei denen etwa zwei Gebrauchtgames gegen ein neues eingetauscht werden können. Ankauf-Services gibt es übrigens auch online, etwa bei Gamesload. Achtung: Vielerorts werden PC-Games aufgrund der Raubkopier-Problematik nicht angekauft.
Ebenfalls vor dem Verkauf zu bedenken sind Download-Inhalte (DLC). Etwa bei Mass Effect 2. Das Rollenspiel wurde mit verschiedenen Zusatz-Episoden bedacht. Wer das Spiel verkauft, hat die Downloads dennoch auf der Konsole - kann sie aber ohne die Disc des Hauptspiels nicht mehr starten. Das Geld dafür ist folglich weg, denn herunterladbare Inhalte lassen sich nicht weiterverkaufen. Ob die Euros für den Verkauf des Hauptspiels hier also den Verlust durch die nicht verkäuflichen DLC aufwiegen, gilt es vorher abzuwägen.
Was jedoch, wenn ein Gebrauchtspiel nicht mehr alle Funktionen eines neuen Games hat? Etwa Fifa 11. Hier liegt der Neuware ein Code bei, mit dem man den Online-Modus freischaltet. Einmal eingegeben, sind die Multiplayer-Partien mit dem Fußball-Game unweigerlich an die jeweilige Konsole gebunden. Das mindert den Verkaufswert deutlich. Wer Fifa 11 gebraucht kauft und online spielen will, muss den Pass also zusätzlich erwerben. Der Hintergrund: Publisher wie EA machen mit dem Verkauf von gebrauchten Spielen keinen Gewinn. Im Gegenteil: Im Falle des Horror-Abenteuers "Dead Space" gibt EA einen Verlust von 2,5 Millionen US-Dollar durch den Handel mit Gebrauchtware an.
Der Publisher THQ geht in ähnlicher Weise vor: Wer im kommenden Ego-Shooter Homefront mit einer Gebrauchtversion im Mehrspieler-Modus weiterkommen und gewisse Ränge erreichen will, muss den "THQ Pass" kaufen, ein Pendant zum Pass von EA. Als Grund geben die Entwickler des Games die hohen Kosten für den Unterhalt von Servern an. Hierfür würde man den Erlös von Spieleverkäufen benötigen. Gebrauchtverkäufe dagegen sieht man als kontraproduktiv und schädlich an. Dass sich Publisher mit Online-Pässen und dem Sperren von Fortschritten im Mehrspieler-Modus in der Spieler-Gemeinde keine Freunde machen, ist ihnen bekannt. Nicht einmal alle Entwickler sehen diesen Schritt als richtig an: Rick White, Produzent des Shooters "Inversion" rät dazu, Spiele zu machen, die so viel Tiefgang und Herausforderung haben, dass die Besitzer gar nicht erst an einen Verkauf denken. In Zeiten, in denen die meisten Blockbuster-Produktionen binnen weniger Stunden durchgezockt sind, ein mutiges Unterfangen.
Wer seine Games zu Geld machen will, sollte zuvor einiges bedenken. Wurde der Online-Pass benutzt? Sind Download-Inhalte zum Spiel gekauft worden? Und was erzielt das Game auf eBay und Amazon Marketplace im Vergleich zu dem, was der Händler vor Ort bietet? So stellt sich der Tausch Alt gegen Neu oft als lukrativste Variante heraus. Trotz aller Tricks und Fallen beim Gebrauchtverkauf: Eine über Jahre aufgebaute, gut sortierte Spielebibliothek, die man eines Tages an Freunde oder Verwandte weiterreicht, kann durch Euros schwer aufgewogen werden.
Volker Bonacker
Pfatzolisator schrieb:
am 9. März 2011 um 13:31:58
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Mit der Muffe gepufft...
...ist jeder, der die abstoßende Geldgeierei der Sotwarekonzerne noch mitmacht und den ganzen DRM- und DLC-Scheiß
für gutes Geld kauft und nach anspielen und Scheiße finden in die Tonne treten oder der Regalleichensammlung hinzufügen darf. Gibt andere Wege inzwischen.
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Teufel schrieb:
am 7. März 2011 um 16:33:52
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Risiko für beide
ein verkauf is ein risiko für beide seiten. sicher kann verkäufer verluste machen, aber auch der käufer. hatte das vor
jahren mit dem game "drive", das bei ebay ersteigert wurde. die cd war derart zerkratzt, das die installation immer abbrach. selbst gute programme konnten kein image erstellen, damit war das pech.
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Stefan schrieb:
am 2. März 2011 um 22:01:28
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xjuggler
Man muss hier sagen, dass ich eher auf xjuggler höhere Preise erziehle als auf Ebay oder Amazon. Gerade weil die Konkurrenz
geringer ist. Insbesondere auch die Provisionen. Von daher kann ich dem Artikel nicht zu 100% zustimmen.
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