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Generation C64: Ein Brotkasten wird 25

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Generation C64: Ein Brotkasten wird 25

19.10.2007, 15:27 Uhr | Medienagentur plassma / vb / jr

"Turrican" (Bild: Rainbow Arts)"Turrican" (Bild: Rainbow Arts)Ein ganz normaler Nachmittag: Klaus, ein 20-jähriger Student, sein Vater und dessen Kollege unterhalten sich über die Perlen der Spielebranche. Der 20-Jährige ist stolzer Besitzer von Xbox 360 und Playstation 3. Er schwärmt von Grafik-Krachern wie Lost Planet und kann es kaum erwarten, endlich Bioshock in sein Laufwerk einzulegen. Seinen Gesprächspartnern entlockt die Faszination von fotorealistischer Grafik, haarfeinen Animationen und Next-Gen-Physik-Engine nur ein müdes Lächeln. „Was habt ihr früher eigentlich gespielt?“, fragt der verdutzte Student. Der Blick der beiden Älteren schweift verklärt in die Ferne, und sie beginnen von endlosen Spiele-Sessions vor einem 14-Zoll-Monitor zu philosophieren, diskutieren über Vor- und Nachteile von Competition Pro- und Quickshot-Controllern. War 8-Bit-Soundguru Chris Hülsbeck nur ein Genie oder doch eher ein Halbgott von einem anderen Planeten? Ganz klar, hier unterhält sich die Generation C64.

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Vom Zwei-Mann-Betrieb zur Legende

Der "PET" (Bild: Commodore)Der "PET" (Bild: Commodore)Bis der als Namenspate für eine ganze Spielergeneration dienende C64 tatsächlich das Licht der Spiele-Welt erblickte, war es ein weiter Weg. Im Jahr 1952 eröffnet Jack Tramiel einen kleinen Laden zur Reparatur mechanischer Schreibmaschinen in New York. Sechs Jahre später wird Commodore International Limited als Hersteller von Schreibmaschinen gegründet. Der Grundstein für eine der erfolgreichsten Computer-Firmen vergangener Zeiten ist gelegt, allerdings fehlt der finanzielle Background. Im Laufe des Jahres 1965 lernt Tramiel den Rechtanwalt und späteren Präsidenten von Commodore, Irvin Gold, kennen. Tramiel will das Unternehmen zum Marktführer machen, und Gold hat die erforderlichen Finanzmittel. So investiert der Jurist 400.000 US-Dollar, um Commodore vor der ersten Pleite zu retten. Die Firma stoppt die Produktion von mechanischen Tischrechnern und wendet sich - inspiriert von einer Japan-Reise Tramiels - dem scheinbar zukunftsträchtigeren Geschäftsagebiet der elektronischen Rechenmaschinen zu.

Konkurrenz durch Texas Instruments

Dauerhaftes geschäftliches Glück war Commodore hier aber auch nicht beschieden: Texas Instruments, die vorher Zulieferer fungierten, bringen 1975 selbst eine Addiermaschine auf dem Markt. Als die Preise für integrierte Schaltkreise fallen, kann Texas Instruments seine Rechner für den halben Preis eines Commodore-Geräts anbieten. Das besiegelte das Ende für Commodore in diesem Marktsegment, da der Konzern die Chips vorher teuer bei Texas Instruments eingekauft hatte und somit nicht mehr wettbewerbsfähig war. Tramiel sieht nur eine Möglichkeit seine Firma zu retten: Er muss sich unabhängig von Zuliefer-Partnern machen. So kauft er einen Halbleiter-Hersteller, und Commodore schafft den Durchbruch: Der PET 2001 wird geboren. Der Personal Electronic Transactor wurde zeitgleich mit dem Apple II und Tandys TRS-80  auf den Markt geworfen und findet vor allem bei Regierungen, Universitäten und Firmen großen Absatz.

Computer für alle

Nun war es an der Zeit, den Computer auch für die breite Masse interessant zu machen. Der Volkscomputer VC20 verkauft sich auf Grund seines verhältnismäßig niedrigen Preises von rund 1000 Mark über zwei Millionen Mal. Allerdings stehen dem Basic-System nur 8 Kilobyte Arbeitsspeicher zur Verfügung. Der VC20 wird somit in erster Linie zur Büroarbeit eingesetzt. Zwar wurde auch viel gespielt, allerdings genossen Games noch nicht die Popularität kommender Jahre. Das sollte sich mit dem Launch des Commodore 64 (C64) im Jahre 1982 jedoch ändern. Erstmals wird bei einem Heimcomputer ab Werk eine Gesamtspeichermenge von 64 KByte angeboten, gepaart mit zu dieser Zeit hervorragenden Grafik- und Soundeigenschaften. Der Erfolg des C64 ist legendär - das Gerät wird bis zu seiner Einstellung weltweit über 20 Millionen Mal verkauft.

Beginn einer Ära

"Pac-Man" (Bild: Namco )"Pac-Man" (Bild: Namco )Mit dem Start des C64 wurde plötzlich das Spielen in den eigenen vier Wänden salonfähig. Man musste nicht mehr in Spielsalons gehen, denn C64-Spiele gab es zuhauf. Jeder wird sich wohl noch an die Sportsimulation Summer Games erinnern können. Ein Titel, bei dem man in den vielfältigen olympischen Disziplinen sein Können unter Beweis stellen musste - vom Staffellauf über 100 Meter Freistil bis hin zum Stabhochsprung. Diese Spiele konnten eine ganze Generation stundenlang an den Monitor fesseln, obwohl ihr Gameplay rückblickend nicht viel mehr als aus Joystick-Gerühre bestand. "Je schneller ich meinen Joystick von links nach rechts und wieder zurück reiße, desto mehr Geschwindigkeit bekommt mein Sportler" - dieses Spielprinzip, bei dem man aber immer schön im Takt bleiben musste, um das Alter Ego auf dem Schirm nicht zu verlangsamen - beanspruchte die Hardware ganz ordentlich. In Disziplinen wir Tontaubenschießen kam es dagegen auf Reaktionsschnelligkeit und Präzision an. "Heute müssen Games gigantische Spielwelten, grandiose Grafik und innovatives Gameplay haben, früher hat man einfach gezockt“, erklärt Felix Rick, Moderator von "Giga Games" und bekennender Retro-Fan.

Pixel-Figuren werden Kult-Klassiker

Auch die Charaktere aus Turrican, einem Side-Scrolling-Shooter, bestanden nur aus ein paar Quadraten und anderen Formen, hatten kaum Pixel, und an Mimik oder Gestik war auch nicht zu denken. Man steuerte seine Helden durch eine große, in alle Richtungen scrollende Science-Fiction-Welt. Über mangelnde Technik beklagte sich damals niemand. Dass man überhaupt zu Hause mit Freunden daddeln konnte, war eine Revolution des Unterhaltungs-Marktes. Den Rest erledigte die Fantasie. So wurden Titel wie Microprose Soccer, Pirates!, Katakis oder Zak McCracken zu Kult-Klassikern, die jedem C64-Besitzer von damals noch immer Tränen in die Augen treiben.

Raubkopien als Kavaliersdelikt

"Competition Pro"-Joystick (Bild: Commodore)"Competition Pro"-Joystick (Bild: Commodore)"Raubkopierer sind Verbrecher“, prangt es heute von riesigen Plakaten. Ende der achtziger Jahre hingegen galt es als normal, Spiele zu "tauschen“. Die Games wechselten auf simplen Audiokassetten immer wieder ihre Besitzer. Dabei dauerte das Einlesen per "Datasette" (einem Kassetten-Lesegerät) ewig, und nur ein Bruchteil der Spiele lief wirklich. Aber das störte damals niemanden - man kannte es nicht anders. Auch die Spiele-Industrie unternahm anfangs nur selten etwas gegen Raubkopierer. Generell lässt sich die Spiele-Entwicklung im Zeitalter des C64 auch nicht mit dem heutigen Gigantismus der meisten Publisher vergleichen. Die Entwicklungsteams waren meist klein, und der ganze Entwicklungsprozess kostete nur wenige tausend Dollar. Die Gewinnspanne war meist riesig. Turrican wurde beispielsweise von elf kreativen Köpfen entwickelt. Zum Vergleich: An der Shooter-Hoffnung Crysis arbeiten derzeit 140 Entwickler, das Budget liegt laut Publisher Electronic Arts bei zirka 20 Millionen Euro. Ein ungleich höheres Risiko, sollte das Spiel gecrackt werden.

Kopierschutz undenkbar

Außerdem gab es damals nur wenige effektive Möglichkeiten sein Spiel vor Kopien zu schützen. Die Entwickler bauten daher auf komplizierte Rätsel-Codes. Ein Retro-Fan erinnert sich an Gunship 2000: "Der Kopierschutz bestand daraus, dass man einer Grafik eines Militärfahrzeugs die korrekte Bezeichnung zuordnen musste. Ich habe damals mit 16 Jahren alle auf Karteikarten abgezeichnet und solange die "falschen" auf der Rückseite vermerkt, bis ich den richtigen getroffen habe. Wahrscheinlich erkenne ich jetzt noch die Silhouette eines M1A1 Abram“, grinst der Nostalgiker. Mit der Zeit kam dann auch der Fortschritt für die Szene: 1983 wurden erstmals 1541-Floppy-Laufwerke verbaut, die mit 5 ¼-Zoll-Disketten bestückt werden konnten. Spieler auf der ganzen Welt konnten kaum glauben, dass man ein Spiel gleich starten konnte, ohne das vorherige Game vorspulen zu müssen. Vorher war das nur mit Hilfe von speziellen Spiel-Modulen möglich gewesen.

Comeback der 8-Bit-Games

"Prince of Persia" (Bild: Ubisoft)"Prince of Persia" (Bild: Ubisoft)Eine Sensation, über die man im Zeitalter von Xbox 360, Multithreading durch Dual-Core Prozessoren und Cell-Chip Architektur der Playstation 3 nur noch müde grinsen kann. Interessanterweise haben aber gerade die Next-Gen Konsolen von Microsoft, Nintendo und Sony einen regelrechten Retro-Boom ausgelöst. Nostalgiker können sich zunehmend Klassiker-Games wie Prince of Persia, Gradius oder World Sports Competition aus den Online-Shops der Konsolenanbieter herunterladen. Für zirka neun Euro ist zum Beispiel der "Prinz" auf dem Xbox Live-Marktplatz erhältlich. Sowohl Nostalgiker als auch Xbox-Spieler kommen so auf ihre Kosten.

Mehr zum Thema

Wer mehr zur Geschichte des Commodore und den handelnden Personen hinter den Kulissen erfahren möchte, dem sei das folgende Buch empfohlen:

Christian Zahn, Rainer Benda und Enno Conners: Commodore Story: Eine Biographie der Firma Commodore.

(Mit freundlicher Unterstützung von "www.retromagazin.eu")


Quelle: t-online.de

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