23.03.2011, 15:13 Uhr | Volker Bonacker / jr
Wenn der japanische Videospiel-Riese Nintendo ein neues System ankündigt, sind die Erwartungen traditionsgemäß hoch. Schließlich hat man zuletzt 2006 mit der Wii die Videospiel-Welt aufgemischt und bewiesen, dass innovative Steuerungskonzepte beim Kunden besser ankommen als auf optische und akustische Überwältigung angelegte Next-Generation-Konsolen wie die Xbox 360 oder die PS3. Und fünf Jahre später schickt man sich an, erneut eine Revolution in der Gameswelt zu schaffen. Dieses Mal ist das Konzept zwar nicht neu, seine Umsetzung allerdings konkurrenzlos. Stereoskopische 3D-Grafik auf einem Handheld ohne zusätzliche Brille betrachten? Der Nintendo 3DS macht es möglich. Wir haben den jüngsten Spross der Japaner auf Herz und Nieren getestet.
Auf den ersten Blick ähnelt der 250 Euro teure DS-Nachfolger seinen Vorgängern deutlich. Schaut man dagegen genauer hin, fallen die zahlreichen Unterschiede auf. Am deutlichsten sticht der Analogstick hervor, den Nintendo links oben platziert hat. Ebenfalls neu: Start- und Select-Button rücken zusammen mit dem Home-Button an den unteren Rand der Touchscreens. An der Rückseite des Handhelds befinden sich zwei Kameras, eine weitere auf der Vorderseite. Sie schaffen eine Auflösung von 0,3 Megapixel (640 x 480 Pixel). Mit den Außenkameras ist es zudem möglich, 3D-Aufnahmen zu erstellen. Neu natürlich auch das obere Display. Mit einer Größe von 3,53 Zoll schafft der Bildschirm im Format 16:9 eine Auflösung von 800 x 240 Pixel. Rechts neben dem Screen findet sich ein Schieberegler, mit dem die Intensität der 3D-Darstellung eingestellt wird.
Ansonsten fällt der 3DS schlanker aus, ist rund 40 Gramm leichter als sein Vorgänger und verfügt zeitgemäß über WLAN und die Möglichkeit einer Verbindung ans UMTS-Netz. Abwärtskompatibel ist das Gerät auch, die alten DS-Spiele müssen also nicht weggeworfen werden. In Sachen Grafikleistung liegt Nintendos neues Handheld zwischen PS2 und Wii - und rangiert damit unter dem iPhone 4. Wer mit dem neuen Handheld also Hoffnungen auf eine High-End-Optik verbindet, wird enttäuscht. Doch wie auch schon bei der Wii geht es Nintendo hier um etwas anderes.
Und das ist der 3D-Effekt beim Spielen. Bevor man damit loslegt, wollen zunächst noch Profil und die persönliche Spielfigur, der Mii-Avatar, erstellt werden. Nintendo-typisch geht das leicht von der Hand und ist in wenigen Minuten erledigt. Gleiches gilt etwa für die Einrichtung der WLAN-Verbindung. Bezüglich der Menüführung orientiert sich Nintendo an seiner großen Spielkonsole: Auf kleinen Buttons werden die verschiedenen Programme, Tools und natürlich auch Games dargestellt. Und davon sind einige sehr interessante Titel schon ab Werk auf dem 3DS.
Dazu zählt etwa der Augmented Reality-Titel "Face Raiders". Zunächst scannt man das eigene Gesicht ein, um danach darauf zu schießen. Der Raum, in dem man sich befindet, wird dafür kurzerhand über die Außenkameras zum Spielfeld umfunktioniert. Das funktioniert erstaunlich gut und verschafft einem schon einmal einen ersten Eindruck vom Tiefeneffekt, den der 3DS darzustellen vermag. Wie auch bei der Wii setzt das Game einiges an Platz voraus, schließlich schwenkt man den 3DS mal nach links, mal nach rechts, um die heranrückenden Gesichter zu finden und mit tennisballähnlichen Geschossen zu erledigen. Für die morgendliche Runde im Bus oder der Bahn ist Face Raiders damit disqualifiziert. Gleiches gilt für die beiliegenden Spielkarten. Diese werden zunächst in 3DS-Nähe platziert, um dann dank der Kameras mit der Umgebung zu verschmelzen und anschließend unter Einbeziehung verschiedener Effekte für kurzweilige Shooter-Spielereien zu sorgen.
Generell empfiehlt Nintendo für unterwegs das Abschalten der 3D-Funktion. In einer ausführlichen Gesundheitswarnung, die über das Menü der Handhelds jederzeit abgerufen kann, warnt das Unternehmen explizit davor, dass Kinder unter sechs Jahren mit vollem 3D-Effekt spielen. Zudem sollten Menschen, die schielen, die 3D-Option ausschalten. Informiert wird auch darüber, dass es eine unterschiedliche Wahrnehmung von stereoskopischen Bildern geben kann. In der Tat stellt sich nach etwa 30 Minuten Spielzeit eine Ermüdung der Augen ein, und es fällt mitunter schwer, dem Geschehen auf dem Screen zu folgen. Das ist darauf zurückzuführen, dass der 3DS in einem bestimmten Blickwinkel gehalten werden muss, um in den Genuss des vollen 3D-Effektes zu kommen.
Der hat es dann aber auch in sich, wie etwa "Pilot Wings" zeigt. Hier ist die Tiefendarstellung unglaublich gelungen, man taucht mit Paraglider, Flugzeug und Jetpack förmlich in die Welt ein. Und wenn in "Splinter Cell 3D" stilecht durch die Umgebung geschlichen wird, fühlt man sich auf eine Art ins Geschehen eingebunden, die bislang völlig unbekannt war. Ebenso in "Super Street Fighter IV 3D-Edition". Selbst das putzige "Nintendogs" erscheint plötzlich völlig ungewohnt, etwa, wenn man dem Vierbeiner einen Ball hinwirft und dieser beim Apportieren wirklich im Raum zu verschwinden scheint. Hier zeigt sich: Nintendo hat ganze Arbeit geleistet. Und das Schönste: Eine nervige 3D-Brille entfällt. Wer das papierne Nasenfahrrad oder gar eine schwere Shutter-Brille einmal zwei Stunden oder länger im Kino getragen hat, weiß dies sehr zu schätzen.
Was bleibt? Zahlreiche Spielereien, die aktuell noch nicht funktionieren. Etwa der Browser oder das innovative "Street Pass"-Feature, bei dem man mit andern 3DS-User quasi im Vorbeigehen automatisch seine Mii-Kontaktdaten austauscht. Schade: Die 3D-Bilder sind auf der geringen Auflösung der Kameras nicht wirklich gelungen, auch wenn man hier den Tiefeneffekt gut darstellt. Immerhin: Über einen Editor kann man die eigenen Kunstwerke schnell und unkompliziert bearbeiten. Gleiches gilt für Tonaufnahmen, die mit dem 3DS ebenfalls erstellt und verfremdet werden können. Das alles geht auch bei Sonneneinstrahlung: Das Display ist zumindest in 2D noch gut zu erkennen, selbst wenn die Sonne unmittelbar darauf strahlt. 3D-Optik darf dann allerdings nicht erwartet werden. Zuletzt einige Worte zur Laufzeit des Akkus: Wie bei vergleichbaren Geräten hängt hier vieles von den Settings ab. Wer die WLAN-Verbindung ausschaltet, den Sound leise hält und die 3D-Effekte herunterschraubt, hat deutlich länger Spaß. Sind dagegen alle Settings auf maximalen Werten, ist nach drei bis vier Stunden Schluss.
Revolution geglückt: Nintendo zeigt mit dem 3DS der Konkurrenz abermals, dass Mega-Grafik nicht das Ziel allen Strebens sein darf. Stattdessen sorgt der Handheld mit seiner 3D-Darstellung für frischen Wind. Und positioniert sich bewusst im Segment der Gelegenheits-Spiele. Hier ist nichts verkopft, stattdessen setzt Nintendo voll und ganz auf den schnellen Spaß für unterwegs. Spielerei statt Core-Gaming heißt das Zauberwort, mit dem man sich auch gegen die erstarkende Konkurrenz an iPhone- und Android-Titeln durchsetzen will. Die Handy- und Tablet-Fraktion dürfte tatsächlich Nintendos härteste Konkurrenz werden, schon allem wegen der günstigen Preise der Games. Sorgt man hier mit neuen Features wie Street Pass, Augmented Reality und einem umfangreichen Angebot an Download-Inhalten jedoch für Gegenwind, ist den Japanern auch mit ihrem jüngsten Spross der ganz große Wurf gelungen.
Volker Bonacker / jr
Du schrieb:
am 25. März 2011 um 14:37:40
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Nintendo 3DS
ja, als sonderangebot. der UVP bleibt bei 249 :/
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Ich schrieb:
am 25. März 2011 um 13:08:16
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Nintendo 3DS
Der 3DS kostet 222,- €
mit einem Spiel dabei (Sims 3 oder Asphalt 3D) kostet er 249,- €
Viele Grüße
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