28.10.2011, 15:53 Uhr | Michael Förtsch / jr, ams
Der Ring-Krieg ist noch lange nicht vorbei. Dabei liegt der letzte Der Herr der Ringe-Film bereits acht Jahre zurück, und die Armee des finsteren Herrschers Saurons ist begraben unter Schutt und Asche. All das ist den tapferen Gefährten um Frodo, Aragorn und Gandalf zu verdanken. Doch wirklich nur ihnen? Nein, das für PC, PS3 und Xbox 360 erscheinende kooperative Action-Rollenspiel "Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden" erzählt die Geschichte der unbekannten Helden Mittelerdes. Hier geht es um jene Krieger, die tief im Norden den zerstörerischen Armeen Mordors begegneten. Das erste Anspielen lässt einen ob des knallharten Gameplays aufhorchen und mit Freude die Geschichte der unbekannten Heroen verfolgen.
Tolkiens Saga von Mittelerde, der Welt von "Herr der Ringe", birgt noch viele Geschichten. "Der Krieg im Norden" erzählt die des Dúnedain-Waldläufers Eradan, des Zwergen Farin und der Elbin Andriel, die sich Saurons Abgesagten Agandaûr entgegenstellen. Denn eben jener wurde geschickt, die Elbensiedlung Bruchtal zu zerstören und ihren Herrn Elrond zu besiegen. Dabei schlägt das Game einen sehr finsteren Ton an: Dunkelheit, eine düstere Farbpalette, viel brachiale Action regieren den Schirm. Zuviel? Nicht unbedingt, waren doch auch die Filme in der Hinsicht nicht ohne. Die Heroen des Abenteuers? Ein Gespann von Unbekannten, die aber dennoch an die Helden der Filme und Bücher erinnern - nicht nur optisch, sondern auch in ihren Fähig- und Fertigkeiten. Und mit jenen geht's gegen die unzähligen Heerscharen des Dunklen Herrschers zu Felde - im Koop-Modus sogar zu dritt. Ist der Spieler alleine, dann übernimmt die Künstliche Intelligenz die Kontrolle über die Mitstreiter. Insgesamt gibt es zwölf verschiedene Schauplätze, darunter neun neue. Die Reise der Dreiergruppe führt die Helden zum Beispiel über die Hügelgräber nach Bree, durch Waldläufer-Totenstätten und hinein in den nebligen Düsterwald.
Dort bleiben sie allerdings nicht lange unbemerkt: Schon nach wenigen Schritten poltert eine Gruppe Uruk-hai schreiend durch das Unterholz. Die Hand am Controller, geht's sofort als Krieger Eradan in den Kampf. Das Schwert klirrt mit Wucht auf die Rüstungen. Funken sprühen, beim Ausweichen und Zuschlagen sind schnelle Reaktion gefragt. Das Problem: Der Gegner sind es viele, und der Balken auf der eigenen Lebensleiste sinkt! Also schnell zu den Kumpanen aufschließen, dann lässt Zwerg Farin einen Kriegsschrei los, der die Widerstandsfähigkeit erhöht und einen härter zuschlagen lässt. Das Blatt wendet sich, die Orks gehen zu Boden. Wenig später rückt eine monumentale Zwergenfestung ins Blickfeld, die von den finsteren Truppen belagert wird. Da ist Hilfe nötig! Genau das Richtige für Elbin Andriel, die mit Schutzzaubern das Dreigestirn beim Kämpfen stärkt. Doch allen Spezialangriffen und magischen Schilden zum Trotz wird es eng für die Helden-Combo. Plötzlich stürzt aus dem Himmel ein gigantischer Adler herab, schnappt gleich mehrere Orks mit den Klauen und fliegt wieder davon. Der Helfer in der Not ist Beleram, der Adler, den die Gefährten zur Unterstützung rufen können.
Vieles in "Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden" erinnert an Rollenspiele wie "Baldur's Gate" oder "Icewind Dale" - nur ist das Ganze hier sehr viel hektischer! Stets muss der Spieler auf sein Gefolge achtgeben. Denn er kämpft nie für sich alleine. Jede Fähigkeit nutzt stets irgendwie allen Dreien. Im Verlauf des Spiels kann man sowohl die Entwicklung und Fähigkeiten der Charaktere erweitern und verfeinern als auch durch erkämpfte Aufrüst-Sets die Wirksamkeit der eigenen Waffen verbessern. Was auch nötig ist, denn nicht nur im Verlauf des Haupt-Quests, sondern auch bei den storyunabhängigen Spezial-Missionen rücken einem die Gegner manchmal derartig heftig auf den Pelz, dass man nur mit einer geschickten Defensiv-Taktik bestehen kann.
Schick: Endlich erzählt ein "Herr der Ringe"-Spiel eine eigenständige und erwachsene Geschichte. Dazu gefallen die eigens erschaffenen Charaktere, die dennoch vertraut scheinen. Im Koop-Spiel mit Freunden zählt tatsächlich die Zusammenarbeit, die belohnt wird und ein "Gemeinsam sind wir stark"-Gefühl vermittelt.
Der starke Fokus auf das gemeinsame Spielen lässt den Einzelspieler etwas außen vor. Auch wenn die KI clever agiert, kann sie einen realen Mitspieler doch nicht adäquat ersetzen: Manchmal greifen die von ihr gesteuerten Figuren wahllos an, trennen sich von der Gruppe und eilen dem Spieler spät oder gar nicht zur Hilfe. Die grafische Qualität zaubert düstere Schauplätze auf den Schirm, wirkt aber in vielen Momenten dennoch etwas altbacken und hin wieder gar trist. Dazu zickt die Kamera gerne mal.
Dieses "Der Herr der Ringe"-Game wird sicherlich nicht das fantastische "Der Herr der Ringe: Die zwei Türme" von Electronic Arts als bestes, spielbares Tolkien-Abenteuer beerben. Doch wird es zweifelsohne mit seiner frischen Story und dem durchdachten Koop-Fokus nicht nur viele Fans glücklich machen.
Titel: Der Herr der Ringe - Der Krieg im Norden
Genre: Action-Rollenspiel
Publisher: WB Games
Hersteller: Snowblind Studios
Release-Termin: 4. November 2011
Preis: zirka 40 Euro (PC) / zirka 55 Euro (PS3, Xbox 360)
System: Windows-PC, PS3, Xbox 360
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Einschätzung: Gut
Quelle: Richard Löwenstein
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