10.07.2009, 08:30 Uhr | pressetext.at
Eve Online (Bild: CCP Games)Virtuelle Welten à la Second Life haben sich mittlerweile zu beliebten Handels- und Wirtschaftsstandorten entwickelt, auf denen Unternehmen und Nutzer mitunter auch recht gut reales Geld verdienen können. Dass diese Entwicklung aber nicht nur Vorteile mit sich bringt, zeigt das Beispiel des Massive Multiplayer Online Rollenspiels (MMORPG) Eve Online des isländischen Entwicklerstudios CCP Games. Das Spiel, dessen Fokus auf Handels- und Kampfaktivitäten im Weltraum liegt, kämpft derzeit mit einer ernsthaften ökonomischen Krise: Genauer gesagt: Eine Art virtuelle Kreditkrise lähmt den Wirtschaftskreislauf in der Online-Welt. Auslöser dafür ist ein Milliardendiebstahl, der in einem der größten Finanzinstitute von Eve Online stattgefunden hat.
Dadurch wurden insgesamt acht Prozent der virtuellen Geldeinlagen der Bank vernichtet . Nachdem die Nachricht vom Milliardencoups die Runde machte, kam es zu Panikanfällen bei den Anlegern: Viele Kunden der betroffenen Bank zogen ihre Einlagen ab und brachten das Geldinstitut damit erst recht an den Rand des Ruins.
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Wie die BBC berichtet, geht der virtuelle Diebstahl auf das Konto eines ein 27-jährigen Australiers, der im Spiel den Aiias-Namen "Ricdic" benutzt. Er soll rund 200 Milliarden Kredits (rund 3600 Euro) in der virtuellen Spiele-Währung "ISK" erbeutet und anschließend in reales Geld umgetauscht haben. "Dieser Spieler war im Grunde einer derjenigen Charaktere, die die bestohlene E-Bank eine Zeit lang als Geschäftsführer betreut haben", zitiert die BBC einen Mitarbeiter von CCP Games. Die wahre Identität von "Ricdic" ist bis dato noch nicht bekannt. Von Seiten der Betreibergesellschaft hieß es, dass es sich beim mutmaßlichen Täter um einen Angestellten im IT-Bereich handle, der das gestohlene Geld dazu verwendet haben soll, um eine Anzahlung auf ein Haus leisten und verschiedene Arztrechnungen zahlen zu können.
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Eve Online (Bild: CCP Games)"In einigen virtuellen Onlinewelten ist es heute schon leicht möglich, echtes Geld zu verdienen. Dabei wird usergenerierter Content innerhalb der Plattform an andere User gegen virtuelles Geld verkauft. Diese nun erworbenen virtuellen Credits können anschließend beispielsweise von anderen Usern gegen echtes Geld zu günstigeren Kursen erworben werden", erläutert Ingo Frick, Mitgründer und Geschäftsführer beim 3D-Chatworld-Messenger Club Cooee, auf Anfrage von "pressetext.at". Abhängig vom Umfang dieser Dienstleistungen würden so teilweise sehr beachtliche Einkommen entstehen. "Beim Wechseln von Spielgeld in echtes Geld besteht aber eine große Missbrauchsgefahr, wenn keine geeigneten Kontrollmechanismen implementiert sind. Für den Betreiber einer derartigen Online-Welt ist es deshalb besonders wichtig, für entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu sorgen", stellt Frick klar. In der Onlinewelt des Club Cooee gebe es keinerlei Möglichkeit, eine derartige Transaktion durchzuführen.
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Besonders interessant an dem aktuellen Fall von Online-Kriminalität ist der Umstand, dass "Ricdic" offenbar keinerlei rechtliche Konsequenzen zu befürchten hat. Der Spieler, der immerhin eine Milliardensumme der virtuellen Währung gestohlen hat, wurde lediglich aufgrund des Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen von Eve Online aus dem MMORPG ausgeschlossen. Auch dies war nur deshalb möglich, da er durch den Umtausch der virtuellen ISK-Währung in reales Geld ausdrücklich die AGB des Anbieters verletzt hat. Hätte er seine erzielte Beute statt in eine echte Währung wieder innerhalb der Grenzen der Onlinewelt investiert, wäre er sogar gänzlich ungestraft davongekommen.
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