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Nach Amoklauf in Winnenden: Politiker fordern Killerspiele-Verbot

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Neue Attacken gegen "Killerspiele"

18.03.2009, 14:43 Uhr | dpa, dsa, AP / jr

Spiele-Sucht (Bild: dpa)Spiele-Sucht (Bild: dpa)Die politische Debatte über die Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden geht weiter. Dabei sind wieder einmal die so genannten "Killerspiele" ins Visier geraten. Dem Magazin "Der Spiegel" zufolge hat Tim K. wenige Stunden vor dem Amoklauf Killerspiele im Internet gespielt. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten dies nicht. Sie berichteten aber, sie hätten neben Spielen wie Counter-Strike auch eine Menge Pornobilder von nackten und gefesselten Frauen auf dem PC des Todesschützen gefunden.

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Neue Verbotsinitiative

Insbesondere die CSU nahm das Geschehen zum Anlass, ihre bereits 2007 aufgestellte, im Bundesrat auf eis gelegte Forderung nach Verbot sogenannter Killerspiele neu aufs Tapet zu bringen. Die bayerische FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß kritisierte das als Stimmungsmache und forderte Innenminister Joachim Herrmann auf, "seinen Verbots-Aktionismus sein zu lassen". "Ich kann nicht nachvollziehen, wieso man sich im politischen Berlin weitgehend einig ist, Kinderpornographie im Internet zu verbieten und das mit allen Mitteln auch konsequent durchsetzen will, dies aber bei Gewalt verherrlichenden und extrem grausamen Killerspielen nicht möglich sein soll", hatte sich Herrmann in einer Pressemitteilung geäußert. Gruß, die auch jugendpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion ist, hielt dem entgegen, dass Verbote die Spiele für Jugendliche erst recht interessant machen würden und im Internet auch weiterhin zu haben wären. Nach einer Kabinettsitzung in München hat die bayerische Staatsregierung unter Horst Seehofer inzwischen beschlossen, vorerst keinen Verbotsantrag zu stellen. Stattdessen will der Freistaat lieber "pädagogisch und kulturell wertvolle Spiele" fördern. Unter anderem will man Fördergeld für junge Spiele-Entwickler bereitstellen, die qualitativ hochwertige Games kreieren. Geplant ist auch ein Dialog mit der deutschen Spielewirtschaft, um hier auf ein kinder- und jugendgerechtes Angebot zu dringen.

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Verdeckte Testkäufe geplant

Ursula von der Leyen will verdeckte Spiele-Testkäufe (Bild: AP)Ursula von der Leyen will verdeckte Spiele-Testkäufe (Bild: AP)Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen setzt bei der Kontrolle des Verkaufsverbotes von Killerspielen auf minderjährige Testkäufer. Dies sei auch ohne ein Bundesgesetz durchsetzbar, sagte die CDU-Politikerin der "Financial Times Deutschland" laut Vorabmeldung. "Landkreise können nach heutiger Rechtslage 17-jährige Jugendliche zu Testkäufen losschicken." Die Ministerin hatte bereits im Oktober 2007 einen Gesetzentwurf vorgelegt, um Jugendliche als Testkäufer von Schnaps, Zigaretten und Gewaltfilmen einzusetzen. Nach massivem Protest verzichtete von der Leyen damals. auf das Gesetz. "Das ist das erste Mal, dass ich erlebe, dass sich eine Niederlage zum Guten auswächst", sagte von der Leyen. Die Verantwortung sei dort gelandet, wo sie hingehöre, nämlich bei den Landkreisen. "Wenn kontrolliert wird und den Verkäufern klar ist, dass es sie 50.000 Euro Bußgeld kosten kann, bestimmte Computerspiele an einen 14-Jährigen über den Ladentisch zu schieben oder Schnapsflaschen an einen 16-Jährigen zu verkaufen, schreckt es ab."

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"Killerspiele erhöhen Gewaltbereitschaft"

Zombies in WoW (Bild: Blizzard)Zombies in WoW (Bild: Blizzard)Killerspiele und Horrorvideos erhöhen nach Ansicht des Hirnforschers Manfred Spitzer die Gewaltbereitschaft. "Es wird eingeübt, am Modell gelernt, nachgeahmt und es findet eine Abstumpfung gegenüber Gewalt statt, sowohl der virtuellen als auch der realen." Wie der ärztliche Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Ulm im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur weiter sagte, komme es allerdings auf die Dauer des Konsums an. Wissenschaftlich sei jedoch nicht nachgewiesen, dass das Spielen von Killerspielen oder das Schauen von Horrorvideos Auslöser für einen Amoklauf sein können. Im Einzelfall wirkten immer sehr viele Faktoren zusammen, sagte Spitzer. So gebe es zwar auch einen klaren Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs. "Dieser ist statistischer Natur und etwa so groß wie der zwischen Bildschirmmedienkonsum und realer Gewalt." In einem einzelnen Fall von Lungenkrebs lasse sich aber nicht sagen, wie groß der Anteil des Rauchens an dessen Entstehung war. Denn es gebe auch Raucher, die uralt werden oder Menschen mit Lungenkrebs, die nie geraucht haben.

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