27.10.2011, 13:59 Uhr | Volker Bonacker
Nintendo 3DS (Quelle: Nintendo / Montage: t-online.de)
Nintendo und Sony sehen sich im Bereich der Handheld-Sparte einer immer größer werdenden Bedrohung gegenüber: Mobile-Games und Browserspiele. Beide waren die großen Trendthemen der diesjährigen Gamescom. Beide sorgen dafür, dass die etablierten Firmen an Boden verlieren. Die Auswirkungen musste Nintendo kürzlich selbst eingestehen: Man ist mit den Verkaufszahlen des 3DS unzufrieden und reduzierte daher zum 12. August dessen Preis um ein Drittel. Außerdem fokussiert sich das Unternehmen nun auf eine alte Stärke: Zugkräftige hauseigene Serien wie Super Mario, Mario Kart, Kid Icarus und Starfox. Alle werden noch in diesem Jahr Zuwachs bekommen.
Damit ist die Marschrichtung von Nintendo klar: Den Billig-Apps der Smartphones-Konkurrenz will man Games entgegensetzen, die fesselnde Spielerlebnisse möglich machen. Und eigentlich schon zum Start des Handhelds hätten verfügbar sein sollen. Dass das nicht der Fall war und das 3DS-Lineup vielfach nicht überzeugte, hat Nintendo eingesehen. Deshalb bringt man nun nach dem Erfolg, denn das Remake von The Legend of Zelda: Ocarina of Time hatte, weitere altbewährte Helden in neuen Games auf den Handheld, die für Nintendo-typischen Spaß stehen.
Wie der funktioniert, muss im Falle von Super Mario nicht lange erklärt werden. Steuerung und Tastenbelegung sind schnell schon verinnerlicht und Anleitungen eigentlich völlig unnötig. Laufen, springen, Stampfattacke - das alles kennt man nach diversen Teilen der Serie bestens und findet sich sofort zurecht. Schön: Der neue Teil kommt wieder mit Waschbär-Kostüm daher, das es Mario möglich macht, Blöcke und Gegner noch effektiver zu bekämpfen. Die greifen nun natürlich in stereoskopischem 3D an, was einen guten Eindruck machte. Vor allem, da Nintendo mit den Perspektiven spielt: Nicht jeder Gumba ist ein wirklicher Gegner, manche sind nur Pappaufsteller - was man aufgrund des Tiefeneffekts natürlich nicht so leicht wahrnimmt.
Mario Kart setzt längst nicht nur auf den serientypischen Rennverlauf, der aus gelungenen Turbo-Boosts, waghalsigen Überholmanövern, heißen Kurven-Drifts und dem Einsammeln von "Waffen" besteht, mit denen man die Gegner malträtieren kann. Neu an dem Ganzen ist ist, dass die Rennen nicht nur auf dem Land, sondern teilweise auch unter Wasser oder in der Luft stattfinden. Und das mit fließenden Übergängen: Eben noch durch den dschungelartigen Abschnitt gebrettert, schleudert eine Sprungschanze den Fahrer hoch in die Luft. Die Strecken sollen teilweise bekannte Elemente bieten, verspricht Nintendo. Und tatsächlich: Auch hier fühlt man sich binnen weniger Minuten heimisch. Und freut sich auf actionreiche Rennen gegen seine Freunde, die - wie in jedem Mario Kart davor auch - üblicherweise in wüsten, nie ernst gemeinten Verwünschungen enden, wenn man mal wieder kurz vor der Ziellinie abgeschossen wurde.
Kid Icarus dagegen liefer Dauerfeuer-Action in Arcade-manier. In der Luft und auf dem Land steuert sich das Game zunächst ungewohnt, denn anvisiert wird mittels Stick, während per Drücken des A-Buttons und Anvisieren über die Schultertasten die Gegner aufs Korn genommen werden. Das funktioniert nach wenigen Minuten aber sehr eingängig und macht vor allem aufgrund der pausenlosen Action Spaß.
Nintendo liefert mit etwas Verspätung jene Games, die dem 3DS zu einem besseren Start verholfen hätten. Das hat der Konzern eingesehen und besinnt sich auf alte Tugenden. Dass man das Problem weitaus preiswerterer Mobile-Games damit zwar weiterhin nur umgeht, aber nicht aus der Welt schafft, ist nicht zu vermeiden. Wer aber einige Minuten mit den neuen Ablegern der hauseigenen Erfolgsserien verbracht hat, merkt schnell, dass hier deutlich mehr Spiel geboten wird als es die erstarkende Mobile-Games-Sparte bieten kann. Man mag Nintendo wünschen, dass die Verkaufszahlen mit dieser Strategie wieder auf Kurs kommen.
Volker Bonacker
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