19.10.2007, 15:30 Uhr | Jürgen Kroder / jr
Schießbude (Bild: Poly Play)Club Cola, Nudossi und die FDJ gehören genauso wie die Stasi und der "Trabi“ zu den ersten Dingen, wenn man an die DDR denkt. Über Computer- und Videospiele redet aber keiner im Zuge der "Ostalgie“. Gab es denn überhaupt welche? Als "Wessi“ würde man diese Frage gefühlsmäßig sofort verneinen. Pong, Pac Man, Sonic oder Die Siedler sind alles Erfindungen aus westlichen Staaten oder stammen aus Japan. DDR-Games: Nein, die gab es nicht. Falsch gedacht! Die Entwickler aus dem sozialistischen Teil Deutschlands haben zwar keine international bekannten Titel geschaffen, und "cool“ wie Super Mario klangen ihre Schöpfungen auch nicht. Aber es gab sie, die Spiele "Made in DDR“ - auch wenn sie, wie man ehrlicherweise einräumen muss, zu Lebzeiten schon Relikte aus einer fast vergangenen Zeit waren.
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Schmetterlinge (Bild: Poly Play)Nachdem in der Bundesrepublik Deutschland schon in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts Computer- und Videospiele verkauft und gespielt wurden, erblickte das erste Ostgerät 1980 das Licht der Welt. Während die Spieler im Westen auf dem Atari 2600 mit Missile Command und Space Invaders die neue, virtuelle Welt retteten, bewegten sich im Osten auf dem BSS01 im Pong-Stil nur zwei unscheinbare Pixelklötze. BSS01 stand für "Bildschirmgerät 01“ und war ein Versuch, dem westlichen Spielekonsolen-Boom nachzueifern. Das Gerät schaffte es in viele Jugend- und Freizeiteinrichtungen, aber kaum in die heimischen vier Wände. Über 500 Mark kostete das BSS01 - und damit ein Monatsgehalt eines Facharbeiters.
Hase und Fuchs (Bild: Poly Play)Erst mit dem KC85 (KC = "Kleincomputer“) kamen ab 1984 immer mehr Leute mit dem neuen Medium Computerspiel in Kontakt. Der KC85, der in den folgenden Jahren in verschiedenen Serien erschien, avancierte zum C64 des Ostens. Fast alle Programme waren Freeware, die Hobbyentwickler-Szene boomte. Die Spiele wurden per Post ausgetauscht, als Speichermedium diente wie jenseits der Mauer eine handelsübliche Kassette, auch als "Datasette“ bekannt. Meist handelte es sich bei den Games um Adaptionen beliebter West-Titel.
Autorennen (Bild: Poly Play)Ein weiterer Meilenstein der Videospielgeschichte war der 1985 veröffentlichte Polyplay. Das Gerät aus dem Kombinat "Polytechnik und Präzisionsgerätewerke Karl-Marx-Stadt" (heute Chemnitz) war der einzige in der DDR hergestellte Videospiel-Automat. Der zirka 22.000 Ost-Mark teure Kasten vereinte acht Spiele unter seinem Preßspangenhäuse. Unzählige Jugendliche brachten in Jugendklubs oder Gaststätten ihr Taschengeld mit diesem Gerät durch - ein Phänomen, das man im Westen bereits seit vielen Jahren kannte.
Von den zirka 1000 produzierten Polyplay-Geräten überlebten nur wenige die Wende, wie auch die meisten der anderen Ost-Spielemaschinen verloren gegangen sind. Wer nun eine kleine Zeitreise antreten will, der kann sich im Internet verschiedene Emulatoren mit DDR-Spielen herunterladen oder auf "www.polyplay.de" sogar online spielen.
Jürgen Kroder / jr
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