12.07.2011, 09:29 Uhr | Medienagentur plassma / jr / vb
Wo Bioware drauf steht, ist im Regelfall einiges zu erwarten. Der kanadische Entwickler ("Baldur's Gate", "Neverwinter Nights", "Dragon Age", "Mass Effect") steht seit der Studiogründung 1995 für gehobene Rollenspiel-Kost. Mit "Star Wars: Knights of the Old Republic" schufen die Kanadier bereits 2003 ein famoses Solo-Rollenspiel mit der publicityträchtigen "Krieg der Sterne"-Lizenz. Beste Voraussetzungen also für ihr neuestes Projekt, das MMOG "Star Wars: The Old Republic". Dieses soll Ende des Jahres für den PC erscheinen und mit bislang im Genre unerreichten Story-Qualitäten und der typischen Star Wars-Atmosphäre auftrumpfen.
Auf der E3-Messe 2011 in Los Angeles rückte Bioware mit frischen Infos zu "Star Wars: The Old Republic" heraus. So wird der Wüstenplanet Tatooine, Heimat des legendären Luke Skywalker, einer der Schauplätze sein, an den es sowohl Anhänger der Republik als auch des Sith-Imperium mit Charakterlevel 24 verschlagen wird. Schon 3800 Jahre vor Luke Skywalker herrscht dort Anarchie: Behörden gibt es nicht; die gesetzlosen Bewohner des Planeten plündern und gaunern nach Herzenslust. Dabei ist es egal, welcher der der acht Klassen (Jedi-Ritter, Kopfgeldjäger, Sith-Krieger, Trooper, Schmuggler, Imperialer Agent, Sith-Inquisitor, Jedi-Botschafter) man angehören wird - die sandigen Weiten von Tatooine sind ein Pflichtbesuch für alle "The Old Republic"-Helden.
Wo sich das bisher gezeigte Quest-Design mit typischen MMOG-Aufgaben wie dem Töten bestimmter Monster oder dem Sammeln spezieller Gegenstände kaum vom Platzhirsch WoW abhebt, macht die konsequente Integration beliebter Star Wars-Elemente schon jetzt Lust auf mehr. Dazu gehören etwa die Speeder, die sich jeder Spieler ab Stufe 25 kaufen darf, um damit das weitläufige Areal von Tatooine in Windeseile erkunden zu können. Die wenigen Flitzer erhöhen dabei nicht nur die Bewegungsgeschwindigkeit des Spielers spürbar, sondern sind auch in engen Räumen wie Höhlen oder innerhalb von Instanzen nutzbar. Jeder Fraktion werden spezielle Speeder zur Verfügung stehen; zudem soll es auch möglich sein, gegnerische Vehikel zu rauben. Das fordert natürlich dazu auf, sich in einen fetzigen PvP-Kampf (Spieler gegen Spieler) zu stürzen. So wird Tatooine auch das erste Gebiet im Spiel sein, in dem sich die Spieler der verfeindeten Fraktionen Republik und Imperium mit Laserschwertern und Magie beharken. Dazu müssen die Teilnehmer allerdings auf dem gleichen Server spielen. Realm-übergreifende PvP-Scharmützel wird es in "Star Wars: The Old Republic" vorerst nicht geben.
Eine interessante Neuerung gegenüber anderen Online-Rollenspielen: Der Spieler wird hier von KI-gesteuerten Kameraden unterstützt, die sich einem im Verlauf der mit epischen Zwischensequenzen und zahlreichen professionell vertonten Dialogen gewürzten Handlung anschließen. Je ein Computer-Helfer kann aktiv im Kampf eingreifen, die übrigen Kumpels bleiben im Raumschiff zurück. Wie in den meisten Rollenspielen können die KI-Begleiter mit Waffen und Rüstungsteilen ausgestattet werden, um ihre Werte zu verbessern. Zudem besitzen sie ein Moralsystem. Je nachdem, wie der Spieler in Dialogen antwortet oder auf welche Art er Quests löst, reagieren die Begleiter darauf, was sich direkt auf die Kampfkraft auswirkt. Es kann sogar vorkommen, dass ein KI-Kumpel den Spieler verlässt. Anders als vor einiger Zeit von Bioware angekündigt, wird es aber voraussichtlich keine Liebegeschichten zwischen dem eigenen und einem KI-Charakter geben. Dafür wird man die Begleiter jederzeit austauschen und sich so für die nächste Mission perfekt rüsten können.
Wie schon im Solo-Rollenspiel "Knights of the Old Republic" wirken sich die Entscheidungen des Spielers auf dessen Gesinnung aus. Je nachdem, wie man mit NPCs (Nicht-Spieler-Charaktere) spricht, sammelt man Punkte auf der hellen oder der dunklen Seite der Macht. Ist man in einer Gruppe mit anderen Spielern unterwegs, wird vor jeder Antwortoption automatisch ausgewürfelt, wer nun das Wort ergreift. Aber was passiert, wenn einer der Mitspieler völlig anders antwortet, als man es selbst gerne hätte? Wenn er beispielsweise einen Gefangenen hinrichtet, statt ihm Gnade zu gewähren? Bioware hat auch dafür eine Lösung parat: Wenn der eigene Avatar nicht für die Gruppe antwortet, darf man dennoch eine Gesprächsoption wählen, die dann entsprechende Machtpunkte auf das Spielerkonto gutschreibt.
Der Spieler sammelt in der Gruppe zusätzlich zu den verschiedenen Macht-Zählern auch so genannte Sozialpunkte. Diese sind Belohnungen für Aktionen, die man in einer Party ausführt. Hat man genug davon angesammelt, werden spezielle Gegenstände und einzigartige Ausrüstung freigeschaltet. Bioware möchte mit diesem Feature das Gruppenspiel fördern. Ob das klappt, wird davon abhängen, wie cool die Belohnungen ausfallen und wie gut gruppenbasierte Quests ausbalanciert sind. Ob die Begleiter auch in den PvP-Gefechten zum Einsatz kommen? Zu dem Thema schweigt Bioware bislang. Überhaupt hielten sich die Kanadier auf der E3 recht bedeckt, wenn es um die Spieler-gegen-Spieler-Gefechte ging. Immerhin ist bereits bekannt, dass es unterschiedlich große Schlachtzugsgruppen und Schwierigkeitsgrade geben wird. So sollen die kleinsten "Operationen" - das Äquivalent zu den Raids in anderen MMOG - aus acht Personen bestehen. In den Operationen wird man die besten Gegenstände im Spiel erbeuten können. Frei in der Spielwelt umherlaufende Bosse dürfte es ebenfalls geben. Bereits auf niedrigem Level sind für wagemutige Gruppen vergleichsweise starke Monster vorgesehen, die nur im Team bewältigt werden können.
Das bislang veröffentlichte Videomaterial und die auf der E3 präsentierten Spielszenen deuten darauf hin, dass man vor allem in Sachen Quest-Design und Technik nicht die Absicht hegt, das Rad neu zu erfinden. Doch dank einer cineastisch präsentierten Story mit tiefgründigen Dialogen, viel Entscheidungsfreiheit, einem ausgeklügelten KI-Begleiter-System und nicht zuletzt der typischen Star Wars-Atmosphäre nebst beliebter Elemente könnte Bioware dennoch ein großer Wurf gelingen.
Der Entwickler hält sich in vielen Bereichen noch äußerst bedeckt. Wie werden die Schlachtzüge funktionieren? Was bietet das MMOG für actionorientierte PvP-Fans? Wird sich grafisch noch was tun? Das ist noch vieles offen. Das sehr konservative Quest-Design könnte vor allem langjährige Online-Rollenspieler abschrecken, die schon in WoW & Co. im Dutzend billiger Monster töten und Gegenstände sammeln mussten.
"Star Wars: The Old Republic" hat das Zeug dazu, den MMOG-Markt ordentlich aufzumischen. Allein die zugkräftige Lizenz und der große Entwicklername dürften zahlreiche Spieler dazu motivieren, das Online-Rollenspiel zumindest zu testen. Ob das allerdings genug ist, um eine stabile Abonnenten-Basis auf die Beine zu stellen, kann man derzeit noch nicht sagen. Nur soviel ist klar: Die für das Ende des Jahres angepeilte Veröffentlichung erwarten Online-Rollenspieler mit großer Spannung.
Titel: Star Wars - The Old Republic
Genre: Online-Rollenspiel
Publisher: Electronic Arts
Hersteller: Bioware
Release: 4. Quartal 2011
Preis: zirka 50 Euro (plus monatliche Abo-Gebühr: zirka 13 Euro)
System: Windows-PC
USK-Freigabe: Noch nicht bekannt
Einschätzung: Gut
Quelle: Medienagentur plassma
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