18.10.2011, 14:25 Uhr | Michael Förtsch (vb, jr)
M16, Kalaschnikow und G36: Eine wahrlich öde Artillerie. In vielen Shootern herrscht die pure Langeweile, was das Waffenarsenal angeht. Egal ob Call of Duty, Medal of Honor, oder der Battlefield-Serie: In all diesen Games kriegt der Held immer wieder die gleichen, schon tausendmal gesehenen Bleispritzen in die Hand gedrückt. Und die tun dann auch stets das Gleiche: Kleine Metallprojektile durch die Gegend pusten, die bei den gegnerischen Horden für eine Bleivergiftung sorgen. Dabei muss diese traurige Phantasielosigkeit nicht sein: Schon viele Games haben bewiesen, dass das Waffenarsenal auch mal richtig kreativ, witzig, schräg und total verrückt bestückt sein kann. Wir stellen die absurdesten Ballermänner in unserer Foto-Show vor.
Zitternd und von Adrenalin hochgepumpt hetzt der Spieler Alex Mason in Call of Duty: Black Ops durch ein verschneites russisches Gulag, ein Internierungslager. Überall explodiert und brennt etwas; Geröll und Schutt fliegen durch die Gegend. Die Läufe des GE M134 Gatling-Gewehrs in der Hand rotieren rotglühend und spucken Kugel um Kugel den AK-47 schwingenden Wachen entgegen. Wow, was ein Anblick, was eine Action! Aber etwas, das man so oder so ähnlich auch schon in ähnlicher Art und Weise gesehen hat. Und mit einer dicken mehrläufigen Maschinenkanone rumrennen? Auch nichts Besonderes mehr. Kein Wunder, hält doch fast jeder Ego-Shooter heute fast immer die gleichen Waffen für den Spieler bereit. Wenn der Waffenhersteller Heckler & Koch jedes mal, wenn eine MP5 auf einem Bildschirm zu sehen ist, einen Cent kriegen würde, könnte die deutsche Firma Griechenland im Alleingang aus der Portokasse retten. Auch, dass jeder Terrorist eine russische AK-47 mit sich rumschleppt, ist zumindest in Videospielen anscheinend unvermeidlich.
Bei dieser Eintönigkeit wird es auch hartgesottenen Action-Fans eher früher als später langweilig. Es gibt durchaus Entwickler, die das erkannt haben und zur Abwechslung mal auf die Kurios- und Wahnsinnspauke hauen, um zu zeigen, dass sie auch anders können. In dem im Jahr 2000 erschienen Action-Abenteuer "MDK 2" sorgt etwa ein Atom-Toaster mit seinen radioaktiven Weißbrotscheiben für Angst und Schrecken. In Duke Nukem Forever und seinem Vorgängerspiel verkleinert der blonde Muskel-Macho mit einer Schrumpfkanone außerirdische Eroberer auf Mäusegröße, um sie anschließend mit seinem Stiefel Größe 56 in den Boden zu stampfen. Und die Land-Shark-Gun aus "Armed and Dangerous " lässt gar einen Hai auf die Rivalen los. Was ein prolliger Gag und verrückter Anblick. Doch können schräge Waffen nicht nur witzig ausschauen. Nein, sie können ganz neue Arten des Spielens ermöglichen. Die Portal-Kanone aus Portal verschießt beispielsweise Energietore, die Orte miteinander verbinden und schafft damit ein ganz neues Puzzle-Spielprinzip, das komplett ohne Gewalt auskommt. Und das Gravitationsgewehr aus "Half-Life 2"? Das war geradezu revolutionär. Gegenstände aufnehmen und durch die Gegend schleudern? Seinerzeit eine unglaubliche technische Neuerung, die anschließend vielfach kopiert wurde.
Wir lernen: Statt den Spielern immer wieder die gleichen Waffen vorzusetzen, die in fast jedem Shooter zu finden sind, sollten die Entwickler Mut zu Unsinn, Witz und Wagnis beweisen. Auch wenn realitätsnahe Militär-Shooter wenig Spielraum haben - muss es bei Science-Fiction-Shootern immer die Laserkanone sein? Vor allem in Fantasie-Games darf's ruhig absurd werden. Pfeffermühlen, Zähne und pupsende Einhörner als Waffe? Wieso nicht.
Quelle: Richard Löwenstein
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