26.04.2011, 10:57 Uhr | Medienagentur plassma / jr
Eigentlich ein konservatives Völkchen, zuhause im Kleinstadtidyll mit braven Berufen und noch braveren Hobbys, wagten die Sims zuletzt in Add-ons wie Die Sims: Reiseabenteuer erste Experimente und marschierten von der reinen Lebenssimulation in Richtung Rollenspiel. Publisher Electronic Arts treibt es nun noch toller und entführt die Spieler in "Die Sims: Mittelalter" in die Zeit von edlen Rittern, Königen und minnemäßig verehrten Hofdamen. Im "dunklen Zeitalter" warten eine ganze Reihe von Kampagnen und Quests darauf, vom Spieler bewältigt zu werden.
Weit weg von der sonst so gewohnten technischen und modernen Umgebung wartet ein ganzes Königreich darauf, dass auf den grünen Wiesen ein stilechtes Mittelalter-Städtchen entsteht. Freilich will "Die Sims: Mittelalter" die Revolution nicht zu weit treiben und setzt auf das vertraute Gameplay, wie man es von den anderen Sims-Spielen kennt. Mit dem Editor lassen sich zehn verschiedene Charaktere wie Priester, Arzt, Ritter oder auch König kreieren. Die Vielfalt ist lange nicht so groß wie in Die Sims 3, doch es reicht, um sich damit vom Scheitel bis zur Sohle zu beschäftigen. Zudem muss man noch diverse Merkmale festlegen. Zwei Stärken und eine Schwäche bestimmen das Verhalten des Charakters und führen im Spielverlauf immer wieder zu humorvollen Einlagen.
Zu Beginn bekommt der Spieler ein Haus und eine kleine Grundausstattung zugeteilt. Gebäude können diesmal nicht selbst erstellt werden. Im Geldbeutel klimpern aber noch ein paar Simoleons für den weiteren Ausbau. Immer neue Gebäude und Sims werden mit der Zeit freigeschaltet; das Gebiet entwickelt sich weiter. Mit seinen täglichen Arbeitspflichten verdient man sich wie gewohnt Geld dazu. Der Händler muss beispielsweise reisen, um Güter zu kaufen, der Graf muss Hof halten oder der Barde Gedichte zur Laute vortragen. Ansonsten gilt es, sich um die Bedürfnisse seiner kleinen Mittelalter-Sims zu kümmern. Sie sollten schlafen und essen, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. Für alle Abläufe sind Zeitlimits gesetzt. Das bedeutet, dass man sich mühen muss, um Quests, Aufgaben und Bedürfnisse immer unter einen Hut zu bekommen. Das ist wichtig für die Konzentration der Sims. Denn je konzentrierter der Sim ist, desto effektiver arbeitet er.
Zehn Szenarien gilt es zu absolvieren, um das Königreich voranzubringen. So muss man beispielsweise zwei Helden ausschicken, weil ein skrupelloser Zauberer die Untertanen schikaniert. Zur Erfüllung der Aufgaben stehen verschiedene Lösungsmöglichkeiten parat - je nachdem, welchen der zehn Charaktere man mit der Aufgabe betraut hat. Jeder Held verfügt über spezielle Fähigkeiten. Je nach Vorgehensweise ergeben sich Folgeaufträge. Mit der Lösung der Quest erhalten die Sims immer mehr Erfahrung und können sich so bis auf Rang zehn steigern. Hat man die Aufgabe angenommen und in Schwung gebracht, macht es eine Zeit lang Spaß, dem historischen Gewusel zuzuschauen. Einige Animationen laufen gut inszeniert ab, doch viel öfter als beim Hauptspiel werden die Geschichten nur in schnöden Texttafeln erzählt, den Rest muss die Fantasie des Spielers übernehmen. So bekommt man weder die Waljagd noch Drachenkämpfe oder den Einkauf des Händlers im Nachbarort zu sehen.
Das bekannte Spielprinzip funktioniert auch in der Mittelalter-Umgebung. Die "Sims 3"-Grafikengine leistet gewohnt gute Dienste und verzaubert auch im Mittelalter mit schön gezeichneten Personen, detaillierten Umgebungen und einigen eindrucksvollen Animationen etwa bei Schwertkämpfen. Für humorvolle Unterhaltung sorgen etliche Slapstick-Animationen, wenn zum Beispiel der Sünder am Dorfpranger der johlenden und manchmal auch mit Objekten werfenden Menge preisgegeben wird.
Nicht nur die Lebensumstände sind im Mittalter spartanischer. Electronic Arts hat dem virtuellen Volk auch auf anderen Gebieten eine Diät verordnet. Statt der üblichen sechs Bedürfnisse gibt es mit Essen und Schlafen nur noch zwei, und auch im Sims-Editor stehen weniger Optionen als gewohnt zur Verfügung. Ein Problem stellt wieder der Blickwinkel dar, der gerade in Gebäuden nicht optimal funktioniert und nur schlecht einstellbar ist. Quests und Pflichtaufgaben machen den Alltag oft zur Routine und versperren den spielerischen Freiraum, den man aus Die Sims 3 kennt.
In "Die Sims: Mittelalter" tritt man eine spannende Zeitreise an, die mit interessanten Quests aufwartet und auch ein wenig Rollenspiel-Flair bietet. Der Genre-Mix ist den Entwicklern insgesamt prima gelungen. Die Geschichte ist liebevoll inszeniert und sorgt für kurzweilige Unterhaltung, lässt aber die große Vielfalt von "Die Sims 3" vermissen. Und so macht man nach dem Mittelalter-Ausflug gerne wieder zuhause in der Moderne weiter.
Quelle: Medienagentur plassma
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