01.12.2010, 09:44 Uhr | Medienagentur plassma / jr
Kaum schwingen sich Harry und seine Freunde im Kino auf ihre Besen, da kann auch die Gamer-Gemeinde wieder an ihren Abenteuern teilhaben. Wie zu jedem Potter-Film gibt es mit "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1" wieder das passende Spiel auf PC, PS3, Wii, Xbox 360 und DS. Wie im Kino hat man die siebte Episode in zwei Stücke geteilt. Ob das wirklich wegen der inhaltlichen Fülle war, wie Publisher Electronic Arts beteuert, oder weil man sich so verspricht, noch mehr Geld herbeizuzaubern, das sei dahingestellt. In jedem Fall gibt es das große Finale erst im Juli 2011 zu sehen.
Die Story des Spiels knüpft direkt an J.K.Rowlings Romanvorlage an. Die Todesser haben jetzt im Zauberministerium und auch in der Zauberschule Hogwarts das Sagen und machen Jagd auf alle, die nicht auf der Seite des dunklen Lord Voldemort stehen. Harry sowie seine Freunde Ron und Hermine beschließen deshalb, im siebten Schuljahr nicht zurückzukehren, sondern sich stattdessen auf die Suche nach den Horkruxen zu machen. Denn solange diese seine aufgespaltene Seele beinhaltenden Objekte nicht zerstört sind, ist der Bösewicht unsterblich. Die Schergen Voldemorts wollen das unter allen Umständen verhindern und jagen das zaubernde Trio unerbittlich.
Mit hektischem "Stupor"-Zaubern schaltet man zu Beginn die Angreifer aus oder erschafft sich mit dem Protego-Spruch ein magisches Schutzschild. Im weiteren Spielverlauf lernt Harry neue Zaubersprüche dazu. Doch die zusätzlichen Hexereien versprechen mehr, als sie halten. Zumeist ist die Wirkung dieselbe, lediglich die Lichteffekte bieten etwas Abwechslung. Für eine verbesserte Abwehr im Kampf erhält man explosive Tränke, die man allerdings erst nach einiger Übung effektiv als Granaten einsetzen kann - die Bedienung ist leider sehr umständlich geraten. Insgesamt ist Harry erwachsener geworden und damit das Spiel von seinem Charakter her dunkler und wesentlich actionlastiger angelegt als seine Vorgänger. Verspielte Minigames und die Quidditch-Schnatz-Hatz sind feuersprühenden und Ego-Shooter-ähnlichen Verfolgungsjagden gewichen. Harry ist diesmal öfter in Todesnähe als in früheren Spielen.
Mit netten Zwischensequenzen und der düsteren Spielatmosphäre macht das neue Harry Potter-Spiel zunächst Laune. Allerdings fällt schnell die lahme Missionsstruktur negativ auf. Im Großen und Ganzen ist der Spielablauf stets der Gleiche: Auf der einen Seite schleicht man sich an die Gegner heran und nutzt dabei so gut es geht einen Umhang, der Harry unsichtbar macht, auf der anderen Seite feuert man seine Zauber ab und greift auch mal tatkräftig an. Mit den erzielten Erfolgen sammelt der Spieler Erfahrungspunkte, die ihm Levelaufstiege ermöglichen, was aber keine wesentlichen Auswirkungen hat. Soweit so gut, doch die Action im Spiel ist die Krux um die Horkruxe, denn hier hapert es gewaltig. Hindernisse, hinter denen man Deckung sucht, bieten keine wirkliche Sicherheit, denn die Gegner ballern einfach durch diese hindurch. Und springen Ron und Hermine feuerbereit in die Bresche, dann treffen sie sogar Gegner, die gar nicht in ihrem Schusswinkel sind. Die Gegnerintelligenz ist ebenfalls schwach: Allzu oft drängen sich die Angreifer ins Schussfeld des Spielers und suchen anscheinend den Freitod. Trotzdem ist der Kampf durch die unausgewogene KI kein Spaziergang, denn die Todesser sind nicht nur zahlreich, sondern zuweilen auch sehr stark und rettende Speicherpunkte oft weit entfernt.
Die unterhaltsam zelebrierte und spannende Story lebt vor allem von der düsteren Atmosphäre, einem gelungenen Soundtrack und den Original-Synchronsprechern, welche die Verbindung zum Kino-Blockbuster herstellen. Leider endet hiermit aber auch schon die Positiv-Liste.
Das Gameplay bietet nur sehr wenig Abwechslung, und die Zaubersprüche unterscheiden sich kaum voneinander. Auch die KI strotzt nicht gerade vor Cleverness: Die Gegner lassen sich zu oft vernichten, ohne dass sie nach Deckung suchen. Wer Buch oder Film nicht kennt, der wird mit dem Spiel auch nicht richtig glücklich, denn die Schlüsselelemente der Potter-Geschichte wurden lieblos und ohne Zusammenhang verknüpft und dabei tragende Stellen fallen gelassen. Die Grafik ist im Großen und Ganzen stimmig, sieht man von einigen matschigen Texturen ab.
Die Geschichte um den Zauberlehrling Harry Potter steuert auf ihr Ende zu. Aus der seichten Kinderunterhaltung der ersten Jahre ist inzwischen ein erwachsenes Adventure mit hohem Action-Anteil geworden. Schade, dass es wieder einmal nur zu einer mittelmäßigen Spieleumsetzung einer erfolgreichen Filmvorlage gereicht hat. Bleibt sie Hoffnung, dass EA doch noch einmal etwas zaubert und den kommenden Teil zwei in ein furioses Action-Adventure-Finale verwandelt.
Quelle: Medienagentur plassma
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