19.05.2010, 14:01 Uhr | Richard Löwenstein / as
Persien, unendliche Sandwüsten, gigantische Bauten, bildhübsche Frauen. Dazu eine abertausend Mann starke Armee aus Sandskeletten. Klingt verdächtig nach einem Fall für den namenlosen Prinzen. Der hüpft in Prince of Persia: Die vergessene Zeit in sein nunmehr zehntes Action-Abenteuer. Das kampf- und akrobatikbetonte Märchen aus Tausendundeiner Nacht erscheint nicht zufällig in diesen Tagen für Xbox 360, PS3, Wii, DS und PSP, sondern weil zeitgleich der Kinofilm Der Sand der Zeit startet. Die Handlung des Videospiels knüpft an den Leinwandstreifen an. Erzählt wird die Geschichte vom Prinzenbruder Malik, dessen Palast von den Türken überrannt zu werden droht.
In seiner Verzweiflung weckt Malik eine lange versiegelte Macht: die Sandarmee des König Salomon. Doch die Wüstenkrieger vernichten Maliks Königreich. Auch Malik selbst verfällt den Dämonen und metzelt wie von Sinnen sein Volk nieder. Der Prinz muss etwas unternehmen, muss seinen Bruder zur Vernunft bringen. Und so eilt der Held zur Rettung seines Volkes und seines Bruders. Die überraschungsarm strukturierte Geschichte dient als roter Faden für vertraute Kampf-, Kletter- und Akrobatik-Tests. Ein Dschinn namens Razia lehrt den Prinzen dabei die Beherrschung der Elemente. Auf Tastenkommando lässt der Held Wasser zu Eis erstarren, dreht das Rad der Zeit zurück, schießt schnell wie der Wind über Abgründe hinweg und schützt sich mit einer Rüstung aus Stein. Das Ganze motiviert nicht zuletzt aufgrund der geschmeidigen Optik. Wenn der Prinz flinken Fußes eine steile Wand hinaufeilt, mit einem Rückwärtssalto an die gegenüberliegende Fassade springt und über eine gefrorene Wassersäule auf den rettenden Balkon rutscht – das kann mitreißen, nicht zuletzt aufgrund der dynamischen Kameraführung. Kenner der Serie werden sich dennoch unterfordert fühlen. Für viele Klettereien und Hüpfereien ist kaum Fingerspitzengefühl notwendig.
Leider geht im Kampf gegen die oftmals im Dutzend angreifenden Sandarmisten die Übersicht flöten. Die Häscher stürmen in solchen Massen auf den Sohn Sharimans ein, dass der kaum seinen Scimitar-Säbel zücken kann. Gottlob haben die Angreifer primär Sand im Hirn. Man rollt einfach aus dem Getümmel und startet akrobatische Spezialangriffe. Immerhin beherrscht der Prinz einige spektakuläre Kombos. Er huscht zum Beispiel am Rücken des Gegners empor, drückt sich von seinen Schultern hoch in die Luft und rammt ihm im Sturzflug sein Scimitar in den Leib. Das sieht stark aus, wahre Taktik benötigt man dennoch nicht. Ärgerlicherweise gilt das auch für die gelegentlich eingestreuten Bosskämpfe. Ein bisschen mehr Hirn fordern die wenigen Rätsel. Ein paar Schalter umlegen, ein Zahnrad von störenden Blockaden befreien, kaputte Statuen zusammensetzen: Das lockert auf und sorgt für Abwechslung.
Die Akrobatiktests gehen geschmeidig von der Hand und sehen außerdem umwerfend aus. Insbesondere der Umgang mit den Elementarkräften bringt Pepp ins Gameplay - zum Beispiel das Gefrieren von Wasserfontänen, um sich mit deren Hilfe zur nächsten Ebene zu schwingen. Die Kulissen aus dem antiken Persien erzeugen eine bezaubernde, oft märchenhafte Atmosphäre.
Da es nur zwei Schwierigkeitsgrade gibt, dürfte Die vergessene Zeit für Actionkenner zu leicht zu bewältigen sein. In den rund zehn Stunden Spieldauer fehlen wahre Herausforderungen und Aha-Momente. Hinzu kommt, dass die Figurenanimationen in den Zwischensequenzen eher altbacken und technisch schwach wirken - erstaunlich für eine Produktion aus dem Hause Ubisoft. Außerdem ist das Kampfgeschehen zu monoton und lässt taktische Feinheiten vermissen.
Wer den Charme aus Tausendundeiner Nacht genießen kann und auf fesselnd inszenierte und flüssig spielbare Jump'n'Run-Akrobatik steht, wird mit Prince of Persia: Die vergessene Zeit prima bedient. Serienveteranen werden das neue Abenteuer hingegen als zu leicht abtun und sollten lieber zur PSP-Fassung greifen. Die erzählt wiederum eine gänzlich andere Geschichte und orientiert sich in punkto Gameplay mit dem 2D-Seitwärts-Scrolling und knackigen Geschicklichkeitseinlagen stärker an den herausragenden ersten Titeln der Reihe.
Richard Löwenstein / as
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