26.10.2009, 15:54 Uhr | dpa / vb

34.000 Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren sollen in Deutschland computerspielsüchtig sein. So lautet das Fazit einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), nach der vor allem Jungen abhängig sind. 140 Minuten spielen Jugendliche im Durchschnitt täglich am Computer. Sich mit virtuellen Mitstreitern messen, Abenteuer erleben, stark sein, gut aussehen - darum geht es beim Spielen am PC laut dem Hannoveraner Kriminologen Professor Christian Pfeiffer, der das KFN leitet.
"Ein Computerspiel bringt Jungs in eine Männerrolle, in der sie nicht mehr ohnmächtig sind", erklärt er die Faszination, die der Zeitvertreib vor allem auf Jungen ausübt.
Dass sie viel mehr Zeit mit Computerspielen und Fernsehen verbringen als Mädchen, sei ein Grund für den extremen Leistungsabfall von Buben in der Schule. 1990 hätten noch gleich viele Jungen und Mädchen Abitur gemacht, 2007 waren es nur noch 43 Prozent Jungen und 57 Prozent Mädchen. "Es muss der Medienkonsum sein, der den Unterschied macht", sagt Pfeiffer. Eine Behauptung, die fragwürdig, weil sehr einseitig ist. Denn andere gesellschaftliche Faktoren als Gründe für den Leistungsabfall berücksichtigt die Kritik Pfeiffers nicht. Stattdessen werden Multiplayer-Onlinespiele ins Visier genommen. World of Warcraft bezeichnet Pfeffer beispielsweise als "den größten Leistungskiller, der je auf den Markt gekommen ist."
Gefährdet seien vor allem Jugendliche, die ein Anerkennungsdefizit in anderen Bereichen haben, so Pfeiffer. "Streit mit den Eltern, Schwierigkeiten in der Schule - es kann nur eine vorübergehende Krise sein, aber man ist schnell mit einem Bein in der Spielsucht", sagt Pfeiffer, der für Jugendliche Angebote will, die attraktiver sind als virtuelle Welten. "In ihnen muss wieder die Lust am Leben geweckt werden. Wenn sie Hobbys entwickeln und Leidenschaft entfalten, üben Computerspiele keinen so großen Reiz mehr aus", sagt Pfeiffer. Zusammen mit dem "Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband" (BLLV) fordert er die Eltern dazu auf, das Spielverhalten ihrer Kinder zu beobachten, gemeinsame Regeln zur Spielzeit und -dauer festzulegen - und vor allem keine Bildschirmgeräte in die Kinderzimmer zu stellen.
Christian Pfeiffer ist in Spieler-Kreisen kein Unbekannter. Mit seinen Äußerungen zum Thema "Killerspiele" hat der Kriminologe schon des Öfteren für heftige Kontroversen gesorgt. Die aktuelle Studie zieht - vergleichbar mit früheren Publikationen des Kriminologischen Institutes - erneut ein einseitiges Fazit: Computerspiele sind für den Leistungsabfall von männlichen Schülern verantwortlich. Dass es hierfür auch andere Gründe geben könnte, wird in den Studien des KFN nicht in Betracht gezogen - eine Herangehensweise, die andere Forscher schon mehrfach kritisiert haben.
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