19.01.2011, 15:23 Uhr | Richard Löwenstein / jr
Bei diesem Rhythmus muss man einfach mitgehen. Zu Lady Gagas “Poker Face“ wirft man dynamisch die Arme in die Luft; bei Salt’N’Pepas “Push It“ bringt der Step-Cross den Boden zum Glühen, und “Funky Town“ von Lipps Inc. wird mit einer coolen Hüftschwung-Angeber-Pose beendet. Puh! Jetzt noch schnell den Schweiß von der Stirn wischen, und weiter geht es. Nein, nicht in der Disco, sondern als Spieler in “Dance Central“, dem wohl besten Tanz- und Musikspiel für MicrosoftsXbox 360 und die neue Bewegungssteuerung Kinect.
In Dance Central geht es nicht einfach nur ums unkoordinierte Abhotten. Es geht um Choreografien, rhythmische Ausarbeitung und jede Menge Körpereinsatz. Kein Wunder, verzichtet das Game doch dank der Bewegungssteuerung Kinect komplett auf Controller und in Felder aufgeteilte Tanzmatten. Einziges Stilmittel für schweißtreibende Tanzeinlagen: der eigene Körper, dessen Bewegungen von der Kinect-Kamera aufgezeichnet und bezüglich korrekter Bewegungen ausgewertet werden. Allerdings sieht der Spieler nie sich selbst im Bild. Stattdessen führen schön animierte Tänzerfiguren die Choreografien vor, die es nachzuahmen gilt. Die eigenen Moves werden lediglich als Silhouette im oberen rechten Bildschirmrand eingeblendet. Das ist ein bisschen schade, mindert den Spielspaß aber nur geringfügig. Dafür funktioniert die Bewegungserfassung einwandfrei und ohne merkliche Verzögerung. Das Gefühl der vollen Kontrolle über die Steuerung ist allzeit vorhanden - vorbildlich.
Die Songliste umfasst insgesamt 32 Titel aus den Bereichen Pop, Hip-Hop, Dancehall und Funk mit je drei Schwierigkeitsgraden. Das Ziel einer jeden Tanzeinlage: so viele Punkte scheffeln wie irgend möglich. Die gibt es, wie sollte es anders sein, vor allem für Rhythmus, korrekte Tanzschritte und spektakuläre Freestyle-Einlagen. Aber Vorsicht mit der Zimmereinrichtung! Manche Bewegungen - besonders aus dem Hip-Hop-Bereich - sind doch schon sehr gewagt und nicht unbedingt für Anfänger geeignet. Wer zwei linke Füße hat oder bestimmte Moves wie den "Broken Bounce", den "Frenchy" oder den "Pump Up" noch nicht aus dem Effeff beherrscht, sollte zuvor dem Tanzschule-Modus einen Besuch abstatten. Hier wird selbst der unmusikalischste Tänzer in über 650 Schritten akkurat ausgebildet. Und dieses Können kann der Spieler dann gleich im "Tanz Battle"-Modus unter Beweis stellen. Zu zweit nacheinander ringt man hier um die Gunst der Zuschauer. Wer mehr Punkte sammelt, gewinnt. Einfach, aber überaus fesselnd.
Dance Central ist kein hingeschludertes Nullachtfünfzehn-Tanzspiel. Das Game stellt Ansprüche und steckt voller Details, bietet tolle Choreografien und weist einen echten Lernfaktor auf. Die Songauswahl ist so gut und abwechslungsreich wie in bislang keinem anderen Genre-Vertreter, und die Spielererkennung von Kinect funktioniert vorbildlich.
Leider ist es nicht möglich, zu zweit gemeinsam zu tanzen. Die Tanz-Duelle werden immer nacheinander statt miteinander auf einem Bildschirm ausgetragen. Zudem sind neue Moves - und auch Songs - nur als kostenpflichtiger Download zu haben.
Egal, ob Anfänger oder alter Tanzhase: Dance Central für die Xbox 360 macht das Wohnzimmer zum Dancefloor. Nicht nur für die nächste Party ein Hit.
Quelle: Richard Löwenstein
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