16.02.2012, 13:32 Uhr | vb / jr
Wer Kampfsport schätzt, der sollte sein Augenmerk auf PS3 und Xbox 360 richten. Denn hier gibt der japanische Videospiel-Hersteller Namco-Bandai den Ring frei für das fünfte Soul Calibur, einen ebenso sehens- wie spielenswerten Schlagabtausch. In den Ring steigen nämlich nicht nur männliche Steroidhengste, sondern auch die schönsten Kurven der Videospiel-Welt. Wenn die Rittersbraut Hilde im kurzen Röckchen die Hellebarde schwingt und die schüchterne Phyrra sich in die Kamera entschuldigt, bevor sie gnadenlos ihren Gegner attackiert - da schmilzt man(n) unweigerlich dahin. Wer's ausprobieren will: Wir verlosen das Game samt edlem Arcade-Stick von Madcatz und diversen Extras.
Die Soul Calibur-Reihe wurde 1999 gestartet. Da das Ganze sehr gut funktioniert und zahlreiche Fans hat, gab es auch 13 Jahre danach für den fünften Teil keinen Grund für eine Neukonzeption. Folgerichtig setzt das Gameplay auf bewährte Elemente: Zwei kampfeslustige Opponenten stehen sich in einer Arena gegenüber und schlagen so lange aufeinander ein, bis nur noch einer die Arena verlassen kann. Gekonnte Kicks und geradlinigen Faustkampf darf man dabei eher weniger erwarten, stattdessen gibt's schneidiges Fantasy-Schwertergeklirr. Auf anspruchsvollem Terrain wie treibenden Flößen und auf pompös ausgestatteten Schlachtfeldern bringen die Probanden Schwerter, Schilde und Säbel zum Einsatz. Eine blutige Inszenierung hat das nicht zur Folge: Soul Calibur 5 setzt auf überzeichnete Comic-Action und hat so von der USK eine Altersfreigabe "Ab 16" bekommen.
Teil fünf macht vieles ähnlich wie die Vorgängerspiele. Das Kampfsystem basiert auf dem sogenannten "Eight-Way-Run". Die Kämpfer turnen dreidimensional durch den Raum und bewegen sich beispielsweise durch flinke Seitwärts-Rollen aus der Gefahrenzone. Die Tasten auf dem Controller lösen vertikale und horizontale Schläge sowie Tritte aus. Das Tempo ist hoch, so dass vor allem das gekonnte Blocken von Angriffen über den Ausgang einer Runde entscheidet. Soul Calibur 5 verzeiht eher mal Timing-Fehler als zum Beispiel die "Street Fighter"-Konkurrenz. Dennoch bringt einen wildes "Auf-die-Tasten-hauen" höchstens auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad ins Finale.
Trailer zum fünften Teil der legendären Prügelspiel-Reihe "Soul Calibur". zum Video
Schon der mittlere Schwierigkeitsgrad setzt Training und ein gutes Verständnis des Kampfsystems voraus. Kenner schalten den "Legendäre Seelen"-Modus frei und stellen sich besonders gerissenen Computergegnern. Wer sich darauf vorbereiten mag, wird im Trainingsmodus einen angemessenen Sparrings-Partner vorfinden. Hier lassen sich mannigfaltige Spielsituationen studieren, auch die Wirkung sämtlicher Kombo-Angriffe aller Kämpfer wird demonstriert. Gut so, denn bei näherer Betrachtung offenbaren sich doch Unterschiede zu Teil vier. Das höhere Tempo beispielsweise, oder die Tatsache, dass man überaus schlagkräftige Spezialangriffe abfeuern kann. Die Bombast-Attacken dienen vorrangig als schwer zu konternder Todesstoß und reißen manchmal verloren geglaubte Partien im letzten Moment noch herum.
Siehe da - der Kampagnenmodus ist wieder Teil der Soul Calibur-Reihe. Sehr verändert hat er sich nicht und sieht im Prinzip immer noch aus wie beispielsweise in Teil zwei. Die Geschichte handelt von einem Helden namens Patroklos. Er soll in einem Feldzug gegen das Böse reihenweise Jungs und Mädels auf die Matte legen. Die Kämpfe Mann gegen Mann, manchmal auch Mann gegen mehrere Männer hintereinander, werden durch Videos und Zeichnungen zu einem großen Ganzen verbunden. Das ist hübsch, aber nicht allzu abendfüllend. Kenner werden ihre Zeit wohl eher im Arcade-Modus auf gehobenen Schwierigkeitsgraden verbringen. Hier hat man die freie Auswahl unter allen Kämpfern. Es macht viel Spaß, unter den rund 20 Protagonisten seine Lieblinge zu entdecken und deren Fähigkeiten zu verinnerlichen.
Das gilt besonders, wenn anstelle des Computergegners Mitspieler aus Fleisch und Blut übernehmen. Denn natürlich weiß Soul Calibur, was Fans des Prügelspiel-Genres wünschen: Nämlich einen Mehrspieler-Modus, online und offline, in dem man sich ordentlich was um die Ohren hazen kann. Hat man sich erst an die anfangs verwirrende Menüführung gewöhnt, dauert es dann auch keine 30 Sekunden vom Spielstart bis zum ersten Couch-Duell. Die Probanden arbeiten sich in inzwischen hinlänglich vertrauten Ranglisten-Kämpfen in der Tabelle nach oben. Man sammelt Medaillen und peppt mit erkämpften Emblemen seine Spiele-Karte optisch auf - ein sehr motivierendes Feature! Via Xbox Live oder Playstation Network dürfen Zuschauer die Duelle verfolgen und via Chatfunktion kommentieren. Eingreifen oder mitmischen ist aber nicht gestattet.
Online-Kämpfe lassen sich aufzeichnen und sofort auf Youtube hochladen. Der einstellbare Schwierigkeitsgrad beeinflusst das Können der Computergegner deutlich. Dadurch finden Einsteiger ebenso Zugang wie Genrekenner. Asienliebhaber werden die japanische Video-Tonspur des Games lieben.
Die Videos sind standardmäßig englisch vertont. Eine deutsche Tonspur fehlt, es gibt lediglich übersetzte Bildtexte. Die Waffen sind sogar gegen die besten Attacken immun, sie zerbrechen nicht. Damit wird eine interessante taktische Facette vertan. Zudem leidet der Kampagnenmodus unter dem überraschungsarmen Gameplay und der belanglosen Handlung. Er ist außerdem binnen zweier Abende entmystifiziert.
Soul Calibur 5 ist ein starkes Beat'em Up-Spiel ohne überraschende Elemente. Nicht einmal, dass das Vorhandene gut aussieht und technisch top implementiert ist, ist eine wirkliche Überraschung - das gehört zum durch die Reihe gesetzten Standard. Auf Soul Calibur 5 ist eben in jeder Hinsicht Verlass. Ein bisschen mehr Wagemut wäre der Serie für die Zukunft trotzdem zu wünschen.
Titel: Soul Calibur 5
Genre: Beat'em Up
Publisher: Namco-Bandai
Hersteller: Project Souls
Release-Termin: Im Handel
Preis: zirka 45 Euro
System: PS3, Xbox 360
USK-Freigabe: Ab 16 Jahren
Wertung: Sehr gut
Quelle: Richard Löwenstein
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