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Zu hart für Otto Normalspieler

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Zu hart für Otto Normalspieler

02.09.2008, 12:41 Uhr | Medienagentur plassma / jr

Verbotene Spiele (Bild: t-online.de)Verbotene Spiele (Bild: t-online.de)Warum werden Ego-Shooter wie Soldier Of Fortune, Quake oder Max Payne indiziert, während ähnliche Genre-Vertreter á la Hitman, Doom 3 oder Red Faction dem Quasi-Todesurteil in Deutschland entgehen können?Häufig spielt hier neben den gesetzlichen Vorschriften zum Schutz der Jugend ein gerüttelt Maß an subjektiver Wertung mit.

Für die häufig umstrittenen Spiele-Bewertungen sind in Deutschland die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und in weiterer Instanz die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) verantwortlich. In einem Großteil der europäischen Nachbarländern ist die Einstufung der "Pan-European Game Information" (PEGI) maßgeblich. Die USK erhält wenige Wochen vor dem geplanten Erscheinen eines Spiels eine beinahe fertige Version, die von Testern ausführlich gespielt und auf jugendgefährdende Inhalte überprüft wird. Im Jahr 2007 wurden mehr als 20.000 Spiele so - kostenpflichtig für die Hersteller - geprüft, bei steigender Tendenz.

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Jugendschutz (Montage: T-Online)Jugendschutz (Montage: T-Online)Bis zum 1. April 2003 waren die Einschätzungen der USK lediglich als Vorschläge für Eltern und Händler zu werten, doch mit der Verabschiedung des neuen Jugendschutzgesetzes gelten sie als verbindlich. Ein Spiel ohne USK-Siegel darf in Deutschland im Handel nicht verkauft werden. Doch wie läuft die Prüfung genau ab? Ein Team von Mitarbeitern und unabhängigen Gutachtern der USK erhält neben dem Vorab-Exemplar des Spiels auch eine Lösungshilfe, die dabei helfen soll, den kompletten Inhalt innerhalb kürzester Zeit zu Gesicht bekommen zu können. Auch wenn hier verständlicherweise zahlreiche Spielelemente übersehen werden können, fertigen sie einen “neutralen Bericht“ an, der einem 18-köpfigen Gremium vorgelegt wird. Darunter befinden sich nicht nur Vertreter der Kultusministerkonferenz, der Forschung und der Jugendminister der Länder, sondern auch Delegierte aus Jugendverbänden und der Kirche. In einer Präsentation werden die potenziell gefährlichen Gegenstände am runden Tisch vorgestellt und können auf Wunsch bei Unsicherheiten auch selbst gespielt werden.

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Veto, euer Ehren!

Nachdem auch die Handbücher und eventuelle Zusatzmaterialien begutachtet wurden, legt die Konferenz eine Altersbegrenzung fest, die in letzter Instanz allerdings von einem Vertreter der Obersten Landesjugendbehörde (OLJB) bestätigt wird, sofern er nicht von seinem Veto-Recht Gebrauch macht und eine alternative Bewertung fordert. Auch der Publisher selbst hat das Recht, das gefällte Urteil nicht zu akzeptieren und darf in Berufung gehen. Damit steht eine neuerliche Prüfung an, die allerdings nur in den seltensten Fällen zu einem abweichenden Ergebnis führt. Laut eigenen Angaben handelt die USK nach bestem Wissen und Gewissen. Das braucht man auch, denn die Prüfkriterien sind mehr alls schwammig. So gelten Spiele, „deren Umsetzung in Spieldynamik und Handlungsmuster sowie eine damit zusammenhängende mögliche Entwicklungsbeeinträchtigung für minderjährige Nutzer“ darstellen, als besonders gefährlich. Darüber hinaus ist „ein Medium kriegsverherrlichend […], wenn Krieg als reizvolles Abenteuer oder als Möglichkeit beschrieben wird, zu Anerkennung oder Ruhm zu gelangen“. Hier bleibt neben den Fakten viel Raum für freie Interpretation, so dass hinterher durchaus von verschiedenen Seiten der Vorwurf der Willkür erhoben wird.

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Graues Blut

Condemned (Bild: Sega)Condemned (Bild: Sega)Es ist unbestritten, dass “Killerspiele“ nicht in Kinderhände gehören und offensichtlich der geistigen Entwicklung schaden können. Dennoch schießen Indizierungen und sogar Beschlagnahmungen, wie jüngst beim Horror-Shooter Condemned geschehen, über das Ziel hinaus. Ebenfalls nicht unüblich sind in unseren Gefilden spezielle deutsche Versionen, die sich vor allem in Gewaltdarstellungen deutlich von der ursprünglichen Version unterscheiden. Nehmen wir Valves bekannten Shooter Half-Life 2 als Beispiel: Der ursprüngliche rote Lebenssaft der menschlichen Gegner erscheint plötzlich im satten Grauton, und getötete Gegner werden nach kürzester Zeit ausgeblendet und sind völlig verschwunden. Der Vorgänger ging sogar noch einen Schritt weiter und ersetzte alle Feinde, die Menschen ähnelten, durch Roboter. Weitere prominente Beispiele für Versionen, die speziell an den deutschen Markt angepasst wurden, sind Quake 4, Command & Conquer Generäle sowie Far Cry, das trotz der geforderten Änderungen dennoch nach kürzester Zeit auf dem Index landete. Da der deutsche Spiel-Markt wichtig ist (nach einer Bitkom-Studie liegt der Spieler-Anteil bei einer Gesamtbevölkerung von 80 Millionen bei rund 35 Prozent) lohnen sich bei Top-Titeln diese gewaltreduzierten Versionen für die Publisher durchaus.

Spielekultur

Aufgrund der deutschen NS-Vergangenheit sind hierzulande Hakenkreuz-Darstellungen in Spielen verboten - Symbole verfassungsfeindlicher Organisationen dürfen hier nicht gezeigt werden. In Filmen, Dokumentationen oder Fernsehserien sind die Freiräume größer. Hier verweisen die Verantwortlichen gerne auf ihre künstlerische Freiheit beziehungsweise die historische Korrektheit der Darstellung - nur so könne eine kritische Auseinandersetzung glaubwürdig stattfinden. Kurioserweise gilt dasselbe Argument in Spielen wie Call Of Duty 2 - in denen man ausdrücklich gegen Nazis kämpft und sich nicht mit ihnen verbündet - nicht.

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Keine Liebe im Spiel

Mass Effect (Bild: Bioware)Mass Effect (Bild: Bioware)Manche der oben genannten Entscheidungen wirken vielleicht etwas merkwürdig, doch in vielen anderen Ländern geht es teilweise noch eigenartiger zu. Zwar werfen unsere US-amerikanischen Freunde, für die sich das "Entertainment Software Rating Board" (kurz: ESRB) verantwortlich zeigt, nicht mit derart vielen Indizierungen und Verboten um sich, veranstalten aber kreuzzugsähnliche Proteste, sobald nackte Haut oder sexuelle Anspielungen auftauchen. Das Sci-Fi-Rollenspiel Mass Effect rief eine Welle von Empörung hervor, weil die Hauptfigur eine Außerirdische küssen konnte. So wurde die Xbox 360 in den Medien kurzerhand in “SeXbox“ umgetauft, und in Singapur ging man sogar so weit, das Spiel vom Markt zu nehmen. Auch die modifizierte Version von GTA: San Andreas, in dem ein sexuelles Minispiel ("Hot Coffee Mod") versteckt war, wurde öffentlich an den Pranger gestellt.

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Verbot eines Fußballmanagers

Wow: Wrath of the Lich King (Bild: Blizzard)Wow: Wrath of the Lich King (Bild: Blizzard)In Brasilien hat es unter anderem die Schüler-Simulation Bully: Die Ehrenrunde erwischt, in der man in die Rolle des gleichnamigen Schulrowdys schlüpft und sein Unwesen treibt. Online-Spiele wie World of Warcraft, Everquest und Counter-Strike wurden nur in zweiter Linie wegen offensichtlicher Rohheit verboten. Primär ausschlaggebend für ein Verbot war in diesen Fällen das Suchtpotenzial, das die zeitintensiven Spiele bieten. Darüber hinaus sah Saudi Arabien in Pokémon Emerald judenfreundliche Symbole, China war nicht mit den unabhängigen Staaten Tibet, Hongkong und Macau im Football Manager 2005 einverstanden, und Mexiko konnte sich in Ghost Recon Advanced Warfighter 2 nicht damit anfreunden, dass man gegen mexikanische Soldaten kämpfte. Viele dieser Beispiele sind für Gamer hierzulande schwer bis gar nicht nachvollziehbar.

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Sonderfall Australien

Fallout 3 (Bild: Bethesda Softworks / Montage: t-online.de)Fallout 3 (Bild: Bethesda Softworks / Montage: t-online.de)Da es geht noch besser: Australien schießt, was das Verbot von Spielen angeht, zumindest in quantitativer Hinsicht hingegen den Vogel ab und hat einige Titel zu bieten, die es vor allem wegen der niedrigen Höchstwertung “MA 15+“ (das zuständige "Office of Film and Litterature Classification" (OFLC) sieht kurioserweise nur für Filme eine Ab 18-Freigabe vor) nie bis zum Fachhändler schaffen. Die Einstufung bedeutet, dass unter 15-jährigen vom Produktkauf abgeraten wird, sofern nicht ein Elternteil ausdrücklich seine Zustimmung erklärt. So ist beispielsweise der Verkauf von Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure wegen der häufigen Graffitis untersagt, mit denen der Spieler die Stadt einfärbt. Und in Duke Nukem 3D kommen Stripperinnen vor, die sich ihres Oberteils entledigen. Das Endzeit-Actionspiel Fallout 3 sollte zunächst wegen angeblicher Drogenverherrlichung überhaupt nicht erscheinen, bis man sich mit dem OFLC auf eine zensierte Fassung einigte.

Fazit

Das Gewalt verherrlichende Spiele nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen gehören, ist richtig. Deshalb sollte die hierzulande prominent auf den Spiele-Verpackungen prangende Alterseinstufungs-Kennzeichnung der USK strikt beachtet werden. Insbesondere die Eltern sollten sich dafür interessieren, was und wieviel ihr Nachwuchs im Kinderzimmer daddelt, und rechtzeitig klare Grenzen setzen und durchsetzen. Werden die Eltern dieser erzieherischen Verantwortung gerecht, kann man die schärfsten Waffen von Gesetzgebung und Exekutive - die Indizierung und Beschlagnahmung von Spielen - getrost im Arsenal lassen. Denn wie die Beispiele zeigen, mündet das häufig als Rechtfertigung angeführte Schutzargument in Bevormundung und bei nichtdemokratischen Regimen sogar in Zensur.
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